Abgeordnetenhauswahl in Berlin

Von grün zu pink – Was kann Die Grüne aus der Wähler*innenwanderung lernen?

Datum
26. September 2026
Autor*in
Lilia Breytenbach
Themen
#AGHW2026 #Politik
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Jugendpresse Deutschland e.V. / Lilia Breytenbach 

Beide wollen Deut­sche Wohnen enteignen und sozialen Wohnungsbau. Beide wollen mehr Klima­schutz und die Klima­neu­tra­lität bis 2040 errei­chen. Beide wollen die Verkehrs­wende voran­bringen. Die Linke wurde bei der Abge­ord­ne­ten­haus­wahl 2026 die stärkste Kraft. Dagegen verzeichnet Die Grüne trotz vieler Über­schnei­dungen im Wahl­pro­gramm Verluste von 4,1 Prozent­punkten. Woran liegt das und was kann Die Grüne sich von der Linken abschauen?

Am 24. August nahmen die Berliner Spit­zen­kan­di­da­tinnen, darunter auch Werner Graf, an der Pres­se­kon­fe­renz zum Launch des Wahl-O-Mat 2026 der Berliner Landes­zen­trale für poli­ti­sche Bildung teil. Grafs Ergebnis: hundert­pro­zen­tige Über­ein­stim­mung mit der eigenen Partei, gefolgt von der Tier­schutz­partei und an dritter Stelle Die Linke. Graf gehört zum linken Flügel der Grünen und betonte wieder­holt seine Präfe­renz für ein rot-rot-grünes Bündnis. Trotzdem gab es eine große Wähler*innenwanderung, vor allem unter jungen Menschen. Schät­zungs­weise 57 000 Wähler*innen, die bei der vorhe­rigen Abge­ord­ne­ten­haus­wahl Die Grünen wählten, entschieden sich bei dieser Wahl statt­dessen für Die Linke.

Obwohl Die Grünen viele Über­schnei­dungen haben mit der Linken, was soziale Themen angeht, hat Die Linke immer noch den Vorteil, dass der Themen­kom­plex vor allem mit ihr asso­zi­iert wird. Bei dieser Wahl spielten soziale Sicher­heit (22 Prozent) und Wohnen (18 Prozent) für die Wahl­ent­schei­dung vieler Wähler*innen die größte Rolle. Davon profi­tierte Die Linke. Wie Poli­tik­wis­sen­schaftler Dr. Aiko Wagner beschreibt: ​„Das linke Thema ist klar Bezahl­bar­keit“.

Vor allem bei jungen Wähler*innen punk­tete Die Linke. 46 Prozent der Wähler*innen zwischen 16 und 24 Jahren haben Die Linke gewählt. Nur 10 Prozent wählten Die Grünen. Fast die Hälfte der Linken-Wähler*innen sind unter 30 Jahre alt, während die meisten Grünen-Wähler*innen 45 bis 59 Jahre alt sind. Ein Gast der Linken-Wahl­party vermutet, dass der wich­tigste Programm­punkt ​„Miet­ab­zocke stoppen“ vor allem bei jungen Menschen gut ankäme. Das liege daran, dass Die Linke die Sorgen und Nöte junger Menschen anspreche, die sich um ihre Zukunft sorgen würden und sich das Leben in der Stadt nicht mehr leisten könnten.

Dagegen wird Die Grüne am häufigsten mit Klima- und Umwelt­themen asso­zi­iert, welche für die Mehr­heit der Wähler*innen nicht wahl­ent­schei­dend waren. ​„Manche Leute haben gerade halt mehr Angst vor dem Ende des Monats als vor dem Ende der Welt“, erklärt Dr. Wagner. Teil des Grundes für die Wähler*innenwanderung sei laut der 27-jährigen Selin, Gästin bei der Linken-Wahl­party, dass die Wahl­ver­spre­chen der Grünen nicht einge­halten worden seien. Im Jahr 2021 erzielte Die Grüne mit 18,9 Prozent ihr höchstes Ergebnis bei einer Berliner Wahl. ​„Vor ein paar Monaten waren wir in den Umfragen gleichauf mit der Linken und der CDU. Die Macht lag also auf der Straße, wir haben dieses Momentum aber verpasst. Wir werden jetzt nicht mehr als das Gegen­an­gebot zu rechts gesehen, sondern das ist eher die Links­partei.“, folgert Enad Alta­weel, der für Fried­richs­hain-Kreuz­bergs Wahl­kreis 3 kandi­dierte.

Außerdem kommu­ni­zierten Die Grünen nicht ​„die klare Kante und die klare Forde­rung wie Die Linke“, wie Elina Schu­ma­cher, Mitglied der Grünen Jugend und auf Listen­platz 9 für Die Grünen, reflek­tiert. Die Linke fokus­sierte sich nach Vorbild des Bürger­meis­ters von New York, Zohran Mamdani, auf drei zentrale Forde­rungen: Einfrie­rung der Mieten, kosten­lose Kinder­be­treuung und Ausbau des ÖPNVs. Im Vergleich war es unklarer, wofür Die Grünen genau standen. Werner Graf verzichtet diese Wahl bewusst auf zuge­spitzte Forde­rungen. Insge­samt zeich­nete sich das Auftreten der Grünen durch Mode­ra­tion aus. Im vorhe­rigen Wahl­kampf für die Abge­ord­ne­ten­haus­wahl im Jahr 2023 wollte Graf als Grünen-Frak­ti­ons­chef noch die Hälfte der Berliner Park­plätze in zehn Jahren abschaffen. 

Schu­ma­cher schlägt vor, der Zusam­men­hang zwischen Klima­schutz und finan­zi­eller Auslas­tung solle bei den Grünen im Mittel­punkt stehen. Auch Alta­weel findet, die Themen Klima­schutz und Bezahl­bar­keit müssen im Fokus stehen, jedoch müsse man schauen, wie man dieses Angebot besser konkre­ti­sieren könne. ​„Es ging bei unserer Kampagne um Schule, um Kita, um Straßen und Verkehr, um Klima, um Umwelt, um Soziales, um Kultur, um Bildung, um alles. Es waren 20 Themen, und dann fragt man sich: Okay, wofür stehen sie dann genau?“ Ob die Berliner Grünen es schaffen, einen neuen Kurs einzu­schlagen, wird sich erst bei der nächsten Abge­ord­ne­ten­haus­wahl im Jahr 2031 zeigen.

Quellen:

http://​wahlen​-berlin​.de/​w​a​h​l​e​n​/​B​E​2​0​2​6​/​A​f​s​p​r​a​e​s​/​a​g​h​/​e​r​g​e​b​n​i​s​s​e​.html

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https://​www​.tages​schau​.de/​i​n​l​a​n​d​/​i​n​n​e​n​p​o​l​i​t​i​k​/​w​a​e​h​l​e​r​w​a​n​d​e​r​u​n​g​-​a​b​g​e​o​r​d​n​e​t​e​n​h​a​u​s​-​b​e​r​l​i​n​-2026 – 100.html

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https://​www​.spiegel​.de/​p​o​l​i​t​i​k​/​d​e​u​t​s​c​h​l​a​n​d​/​b​e​r​l​i​n​-​w​a​h​l​-​s​t​r​a​t​e​g​i​e​n​-​v​o​n​-​z​o​h​r​a​n​-​m​a​m​d​a​n​i​-​f​u​e​r​-​l​i​n​k​e​-​g​r​u​e​n​e​-​u​n​d​-​s​p​d​-​a​-​e​c​d​a​0​2​d​8​-​b​4​8​3​-​4​3​6​f​-​a​f​5​1​-​4​e​9​5​c​0​a​80462

https://​www​.rbb24​.de/​p​o​l​i​t​i​k​/​b​e​r​l​i​n​-​w​a​h​l​-​2​0​2​6​/​b​e​i​t​r​a​e​g​e​/​e​l​i​f​-​e​r​a​l​p​-​p​o​r​t​r​a​e​t​-​b​e​r​l​i​n​-​w​a​h​l​-​m​a​m​d​a​n​i​.html


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