„Irgendwas zwischen Satire, Inves­ti­gativ-Jour­na­lismus und Leicht­sinn.“ – Was leistet marcant für unsere Gesell­schaft?

Datum
05. Oktober 2026
Autor*in
Lina Hüller
Themen
#Politik #Gesellschaft
Marcant in Wuppertal, Mai 2025

Marcant in Wuppertal, Mai 2025

„Demo gegen Zoos Wuppertal 2025-05-24“ von Marco Molitor, lizenziert unter Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International via Wikimedia Commons.

„Verpiss dich!“-Worte, mit denen marcant begrüßt wird, wobei das ein zu starkes Wort ist. Denn begrüßt wird marcants Arbeit in der rechten Szene keines­wegs.

Der Anfang 20-jährige Marc, unter dem Pseud­onym marcant, geht hin. Zu Demons­tra­tionen und Protesten der rechts­extremen poli­ti­schen Szene und führt einen aktiven Diskurs mit rechten Akteuren. Mit dem Ziel, beson­ders junge Menschen vor der Radi­ka­li­sie­rung zu schützen und Menschen aus der rechten Szene dazu anzu­regen, ihr Gedan­kengut zu hinter­fragen.

Sein YouTube-Account marcant hat mitt­ler­weile über 550.000 Abon­nenten, auf Insta­gram über 1 Millionen. Nicht nur die Videos, in denen er auf Demons­tra­tionen aktive Konfron­ta­tion betreibt, sondern auch andere Formate von ihm sorgen für Aufsehen. So beispiels­weise sein Podcast marcant podcast, in dem er Gäste empfängt, um mit ihnen über verschie­dene (Lebens-)Ansichten zu spre­chen. Darunter, um ein Beispiel zu nennen, Gregor Gysi. 

Marc stellt Fragen. Freund­lich, aber bestimmt. Nicht selten passiert es, dass sein Gegen­über auf eben diese Fragen spontan keine durch­dachte Antwort hat. Das ist der Moment, in dem marcants Arbeit fruchtet. Dass Menschen ihre eigenen Ansichten hinter­fragen, ist marcants Ziel. Dabei über­zeugt Marc im ersten Schritt mit einem großen fakten­ba­sierten Wissen, statt ledig­lich mit einer persön­li­chen Meinung zu argu­men­tieren. So beti­telte ein Demons­trant marcant in gewisser Weise als ​„schuldig“ am Verfall der DDR, Marc antwortet nur: ​„Als Honecker wegge­gangen ist, da war ich 12 Jahre noch nicht mal geboren.“ Antwort des Demons­tranten: ​„Pass in Geschichte auf du Penner!“. 

Der Fakt, dass er die Videos von den Demons­tra­tionen und Protesten in den sozialen Medien postet, trägt dazu bei, dass eine Viel­zahl von Menschen einen Einblick in die extremen Seiten der rechten Szene bekommen. Durch den aktiven Diskurs und Gespräche, in denen sich Marc von seinem Gegen­über nicht provo­zieren lässt, hilft er, Menschen aus der rechten Szene heraus­zu­holen. So argu­men­tiert marcant stets fakten­ba­siert und bringt Menschen mit diffe­renten Meinungen, huma­nere Ansichten näher. Auf seinem Insta­gram-Account postet er regel­mäßig Text­nach­richten, in denen, meist junge Menschen, ihm danken, dass er ihnen aus der rechten Szene heraus­ge­holfen hat. 

Aber nicht nur Dankes­nach­richten errei­chen marcant. So sagt er selbst: ​„Es hat sich alles geän­dert. Im Posi­tiven, wie auch im Nega­tiven natür­lich. Es gibt wenige Todes­listen, auf denen ich nicht stehe.“ Demons­tra­tionen kann er fast nur noch mit Poli­zei­schutz besu­chen, da er in der rechten Szene mitt­ler­weile bekannt ist, und als ​„Feind“ ange­sehen wird. Demons­tranten scheuen auch nicht vor körper­li­chen Atta­cken zurück, neusten YouTube-Videos, wo ein Mann mehr­fach versucht, ihn anzu­greifen, aber vom Poli­zei­schutz zurück­ge­halten wird. Und schluss­end­lich viel­leicht auch von seiner Größe von 2,09m. 

Anna-Lena von Hoden­berg von der Theodor-Heuss-Stif­tung behauptet in Bezug zu marcants Arbeit: ​„Sich für die Demo­kratie einzu­setzen in Zeiten, wo es der Demo­kratie gut geht, das kostet nicht viel. Aber wenn sie sich für die Demo­kratie einsetzen, wenn sie gerade erodiert, dann ist das mit persön­li­chen Einbußen verbunden.“ Für seine Arbeit erhielt marcant im April 2026 die Theodor-Heuss-Medaille der Theodor-Heuss-Stif­tung für demok­tra­tie­po­li­ti­sches Enga­ge­ment gegen Rechts­extre­mismus. In seiner Dankes­rede zu eben dieser Medaille sagt Marc: ​„Wir müssen diese Demo­kratie vertei­digen – mit Bildung, Büchern und Barri­kaden.“

Nicht zuletzt die Land­tags­wahlen in Sachsen-Anhalt haben deut­lich gemacht, dass marcants poli­ti­sche (Aufklärungs-)Arbeit von immenser Bedeu­tung ist in den Zeiten unserer heutigen Demo­kratie. Wie Frau von Hoden­berg es deut­lich macht, leistet marcant viel für unsere Gesell­schaft, denn er steht symbo­lisch für unsere Demo­kratie ein, während diese ​„erodiert“. 


Empfohlene Beiträge

Artikel

Berlin: Die Linke erobert die Haupt­stadt

Amelie John , Chiara Starcke

Du kannst mitmachen!

Bei politikorange arbeitest du ganz im Zeichen der Pressefreiheit. Unter Anleitung erfahrener Jungjournalist*innen erstellst du Blogbeiträge oder ein Magazin im Redaktionsteam. Du recherchierst, führst Interviews und Hintergrundgespräche, machst dir dein eigenes Bild, findest die richtigen Worte und erhältst Support aus dem politikorange-Team bei jedem Schritt. Außerdem kannst du dich auch im Fotojournalismus, mit bewegten Bildern oder anderen crossmedialen Inhalten ausprobieren.

32869514097 5729e8895e o 1 2