„Verpiss dich!“-Worte, mit denen marcant begrüßt wird, wobei das ein zu starkes Wort ist. Denn begrüßt wird marcants Arbeit in der rechten Szene keineswegs.
Der Anfang 20-jährige Marc, unter dem Pseudonym marcant, geht hin. Zu Demonstrationen und Protesten der rechtsextremen politischen Szene und führt einen aktiven Diskurs mit rechten Akteuren. Mit dem Ziel, besonders junge Menschen vor der Radikalisierung zu schützen und Menschen aus der rechten Szene dazu anzuregen, ihr Gedankengut zu hinterfragen.
Sein YouTube-Account marcant hat mittlerweile über 550.000 Abonnenten, auf Instagram über 1 Millionen. Nicht nur die Videos, in denen er auf Demonstrationen aktive Konfrontation betreibt, sondern auch andere Formate von ihm sorgen für Aufsehen. So beispielsweise sein Podcast marcant podcast, in dem er Gäste empfängt, um mit ihnen über verschiedene (Lebens-)Ansichten zu sprechen. Darunter, um ein Beispiel zu nennen, Gregor Gysi.
Marc stellt Fragen. Freundlich, aber bestimmt. Nicht selten passiert es, dass sein Gegenüber auf eben diese Fragen spontan keine durchdachte Antwort hat. Das ist der Moment, in dem marcants Arbeit fruchtet. Dass Menschen ihre eigenen Ansichten hinterfragen, ist marcants Ziel. Dabei überzeugt Marc im ersten Schritt mit einem großen faktenbasierten Wissen, statt lediglich mit einer persönlichen Meinung zu argumentieren. So betitelte ein Demonstrant marcant in gewisser Weise als „schuldig“ am Verfall der DDR, Marc antwortet nur: „Als Honecker weggegangen ist, da war ich 12 Jahre noch nicht mal geboren.“ Antwort des Demonstranten: „Pass in Geschichte auf du Penner!“.
Der Fakt, dass er die Videos von den Demonstrationen und Protesten in den sozialen Medien postet, trägt dazu bei, dass eine Vielzahl von Menschen einen Einblick in die extremen Seiten der rechten Szene bekommen. Durch den aktiven Diskurs und Gespräche, in denen sich Marc von seinem Gegenüber nicht provozieren lässt, hilft er, Menschen aus der rechten Szene herauszuholen. So argumentiert marcant stets faktenbasiert und bringt Menschen mit differenten Meinungen, humanere Ansichten näher. Auf seinem Instagram-Account postet er regelmäßig Textnachrichten, in denen, meist junge Menschen, ihm danken, dass er ihnen aus der rechten Szene herausgeholfen hat.
Aber nicht nur Dankesnachrichten erreichen marcant. So sagt er selbst: „Es hat sich alles geändert. Im Positiven, wie auch im Negativen natürlich. Es gibt wenige Todeslisten, auf denen ich nicht stehe.“ Demonstrationen kann er fast nur noch mit Polizeischutz besuchen, da er in der rechten Szene mittlerweile bekannt ist, und als „Feind“ angesehen wird. Demonstranten scheuen auch nicht vor körperlichen Attacken zurück, neusten YouTube-Videos, wo ein Mann mehrfach versucht, ihn anzugreifen, aber vom Polizeischutz zurückgehalten wird. Und schlussendlich vielleicht auch von seiner Größe von 2,09m.
Anna-Lena von Hodenberg von der Theodor-Heuss-Stiftung behauptet in Bezug zu marcants Arbeit: „Sich für die Demokratie einzusetzen in Zeiten, wo es der Demokratie gut geht, das kostet nicht viel. Aber wenn sie sich für die Demokratie einsetzen, wenn sie gerade erodiert, dann ist das mit persönlichen Einbußen verbunden.“ Für seine Arbeit erhielt marcant im April 2026 die Theodor-Heuss-Medaille der Theodor-Heuss-Stiftung für demoktratiepolitisches Engagement gegen Rechtsextremismus. In seiner Dankesrede zu eben dieser Medaille sagt Marc: „Wir müssen diese Demokratie verteidigen – mit Bildung, Büchern und Barrikaden.“
Nicht zuletzt die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt haben deutlich gemacht, dass marcants politische (Aufklärungs-)Arbeit von immenser Bedeutung ist in den Zeiten unserer heutigen Demokratie. Wie Frau von Hodenberg es deutlich macht, leistet marcant viel für unsere Gesellschaft, denn er steht symbolisch für unsere Demokratie ein, während diese „erodiert“.
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