Im Doppelhaushalt 2026/2027 wurde in der Kulturbranche stark gekürzt, was auf Seiten der Kulturschaffenden zu großem Protest führte. Wie sind kleine Theaterhäuser wie das Theater Strahl oder das “FELD-Theater für junges Publikum, mit den Kürzungen umgehen und mit welchen Gefühlen schauen sie in die Zukunft?
Das Problem im Berliner Haushalt
Zusätzlich werden aber auch Fördertöpfe und andere sogenannten Drittmittel, also andere Förderungen, wie zum Beispiel Förderprogramme, eingekürzt: Teils vom Berliner Abgeordnetenhaus, aber auch auf Bundesebene. Diese 1,5 bis 3 Prozent aus dem Haushalt sind gar nicht das große Übel, sondern die Kürzung der genannten Drittmittel, denn diese unterstützen hauptsächlich die freie Szene. Das Hauptproblem dabei ist, dass wenn die freie Szene ihre Projekte nicht mehr finanzieren kann, die Häuser ohne festes Ensemble keine Stücke mehr zeigen können und damit langfristig aussterben.
Gespart werden musste in Berlin durch höhere Energie‑, Personal- und Materialkosten und weil Kultur im Vergleich zu Bereichen wie der Sicherheit, in der aufgestockt wurde, als verhandelbar und nur zum Vergnügen dargestellt wird. Der ehemalige Bürgermeister Kai Wegner begründete die Entscheidung der Kürzung damit, dass das Haushaltsvolumen in den letzten Jahren stark gestiegen sei und man jetzt aus Rücksicht auf zukünftige Generationen sparen müsse, so berichtete T‑Online.
Die Kürzungen führten dazu, dass Theaterhäuser an innovativen Ideen feilen mussten, um die Finanzlücke schließen zu können. Ticketpreise mussten erhöht, Stellen gestrichen oder tariflich unterbezahlt werden und Theater sowie freie Künstler*innen mussten sich noch stärker an andere Förderer*innen wenden. Dies kann einen großen Verwaltungsaufwand darstellen, wie uns auch das „FELD-Theater für junges Publikum“ erzählte. Das Theater hat sich zusätzlich zu den Maßnahmen eine Merch-Aktion einfallen lassen, in der sie ihre Nachbarschaft in Schönefeld zum gemeinsamen T‑Shirt-Druck einluden.
Wünsche, Ängste und Zukunft
Kulturstätte sind Begnungsorte und dritte Orte – also Orte wo sich Menschen außerhalb von zu Hause oder Arbeit, Schule aufhalten können – die unbedingt erhalten werden müssten, findet Gaby dan Droste, die Geschäftsführerin des „FELD-Theater für junges Publikum. Von der nächsten Regierung wünscht sie sich, dass sich die Politik, bevor sie kürzt, mit denen unterhalte, die es betrifft. Dagegen wünscht sich Anna Vera Kelle, die Leiterin des „Theaters Strahl“ vor allem, dass Theater für Kinder und Jugendliche finanziell genauso stark aufgestellt werden würde wie die Theater für erwachsenes Publikum. Man könne eben nicht denselben Eintritt für Kinder wie für Erwachsene verlangen.
Beide Inhaberinnen befürchten weitere Kürzungen. Kürzungen die man nicht mit Drittmitteln ausgleichen könnte. Das würde bedeuten, dass beide ihr Programm verkleinern müssten, damit weniger Einnahmen bekommen würden und somit von Saison zu Saison leben würden.
Was ist mit den Wahlergebnissen zu erwarten?
Es gibt zwei mögliche Koalitionen: Entweder ein Linksbündnis aus Die Linke, Bündnis 90/Die Grünen und der SPD oder eine Koalition von CDU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen. Bei Ersterem könnte die Kulturbranche mehr Grund für Freude haben, denn Die Linke möchte die Kürzungen zurücknehmen und die Förderung kurzfristig steigen lassen. Zurücknehmen wollen die Kürzungen auch die Grünen. Zusätzlich fordern sie mehr Transparenz bei der Besetzung von großen Häusern. Die SPD wiederum setzt sich für eine große Bandbreite an Kulturangeboten ein, was gerade die kleineren Theaterhäuser betrifft, denn diese gehören zu einer Bandbreite. Die CDU möchte laut ihrem Wahlprogramm die Kürzungen nicht zurücknehmen, aber bestehende Kulturräume sichern und gezielter Projekte fördern. Was sich davon in der künftigen Regierung tatsächlich umsetzten lässt, wird sich zeigen.
