Einstehen für die Pres­se­frei­heit

Datum
06. Mai 2020
Autor*in
Vivienne Fey
Themen
#pressefreiheit20 #Medien
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Das Gut der Pres­se­frei­heit ist eines, für das es sich zu kämpfen lohnt. Doch wie lässt sich Pres­se­frei­heit in der Realität ange­messen umsetzen? Eine Frage, mit der sich poli­ti­ko­range-Repor­terin Vivi­enne Fey beschäf­tigt hat.

Im inter­na­tio­nalen Vergleich der Pres­se­frei­heit belegt Deutsch­land Platz 11. Das ist ein Platz, der zeigt, dass es uns in Deutsch­land verhält­nis­mäßig wirk­lich gut geht, aber auch ein Platz, der zeigt, dass die Pres­se­frei­heit keines­falls unein­ge­schränkt vorhanden ist. Und genau das scheinen die Redakteur*innen schon längst verstanden zu haben. Netz​po​litik​.org ist eine Platt­form für digi­tale Frei­heits­rechte, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Frei­heit des jour­na­lis­ti­schen Arbei­tens im digi­talen Zeit­alter zu vertei­digen und den neuen Heraus­for­de­rungen gerecht zu werden.

Jour­na­list zu sein, war nie das Ziel

Dass die Bericht­erstat­tung dabei nicht immer objektiv erfolgt, liegt auf der Hand. Doch das ist auch nicht die Mission. Viel­mehr ging es den Redak­teuren von Anfang an darum, durch subjek­tiven Jour­na­lismus“ auf Probleme und Miss­stände aufmerksam zu machen, die sonst viel­leicht uner­kannt blieben, was sich auch in der Entste­hungs­ge­schichte wider­spie­gelt: Dass wir wirk­lich jour­na­lis­tisch arbeiten, wurde uns erst so richtig bewusst, als wir Preise bekamen, bevor wir über­haupt unsere Pres­se­aus­weise hatten“, erin­nert sich Markus Becke­dahl als Mitbe­gründer und heutiger Chef­re­dak­teur an die Anfänge zurück. Damals vor 15 Jahren bestand die Arbeit noch im Betreiben eines einfa­chen Blogs, auf dem Artikel time­line-artig erschienen, wie man es heute von Face­book und Insta­gram kennt.

Eine neue Form des Jour­na­lismus

Mitt­ler­weile schreiben 16 Redakteur*innen über die brisan­testen Themen und haben es sogar geschafft ganz neue Ansprüche an das jour­na­lis­ti­sche Arbeiten in Deutsch­land zu stellen. Liegen zum Beispiel inter­es­sante und zu kriti­sie­rende Doku­mente einer Behörde vor, werden die Redak­ti­ons­mit­glieder nicht nur über deren Inhalt berichten, sondern den Beweis sogar direkt veröf­fent­li­chen. Um die Glaub­wür­dig­keit und das Vertrauen in die Presse zu erhöhen, aber auch um den Lesern die Möglich­keit zu bieten den Vorwurf direkt zu prüfen und zu hinter­fragen. Vieles ist Inter­pre­ta­ti­ons­sache und auch wir können uns irren“ erklärt Markus das außer­ge­wöhn­liche Vorgehen.

Ein Appel, selbst aktiv zu werden

Doch die Mission geht über das bloße Infor­mieren und Aufde­cken von Skan­dalen hinaus. Sie wollen auch dazu anregen, selber kritisch zu denken und schließ­lich auch zu handeln. So verweist Markus beispiels­weise auf die Inter­net­platt­form Frag​Den​Staat​.de, auf der der eigent­lich juris­tisch aufwen­dige Prozess zur Anfor­de­rung von Doku­menten bei Behörden durch ein auto­ma­tisch gene­riertes Schreiben erleich­tert wird. Somit wird es jedem Bürger ermög­licht, das Recht auf Infor­ma­tionen auch wirk­lich zu nutzen. Sie selbst machen davon regel­mäßig Gebrauch und scheuen keine Mühen, klagten sich einmal sogar fast 4 Jahre von Instanz zu Instanz um schließ­lich die für die weitere Recherche wich­tige Teil­nah­me­liste einer Kabi­netts­sit­zung zu erhalten. Nichts­des­to­trotz wünscht sich Markus mehr Rechte für Jour­na­listen und vor allem mehr Trans­pa­renz. Es ist ein bedeu­tender Unter­schied, ob ich als Jour­na­list erst mein Recht einklagen muss oder ob der Staat trans­pa­rent arbeitet und ich es dadurch ganz einfach in Anspruch nehmen kann.“


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