Fast drei Millionen Menschen waren Anfang des Jahres in Deutschland arbeitslos. Eine Entwicklung die diesmal vor allem junge Menschen trifft. Warum?
Wenn man jungen Menschen, die gerade versuchen, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, zuhört, spürt man oft eine zunehmende Angst vor der Zukunft. „Hohe Arbeitsbelastung“, „schlechte Arbeitsbedingungen“ und „wenig Geld und Perspektiven“. Die Aussagen wiederholen sich, wo auch immer man mit Berufseinsteiger*innen spricht. Mit den Sorgen kommt ein immer größer werdender Wunsch nach „Planbarkeit und Verlässlichkeit“ sowie die Forderung nach mehr finanzieller Unterstützung während der Ausbildungszeit und einer Reform des BAFÖGs (Zitate aus unserer Straßenumfrage).
2025 waren laut der Bundesagentur für Arbeit 273.000 Menschen unter 25 arbeitslos, das sind 5,7% aller jungen Menschen und damit ein Höchststand der letzten zehn Jahre. Insgesamt sind es rund 2,9 Millionen Menschen die derzeit arbeitslos sind. Besonders junge Menschen frisch aus dem Studium berichten von Schwierigkeiten einen Einstiegsjob zu finden. Hier stieg die Arbeitslosenquote von Akademikerinnen und Akademikern 2025 auf 3,3 Prozent und überschritt damit erstmals seit 2007 die 3% Hürde. Deutschland liegt hier aber immer noch unter dem EU-Durchschnitt von 3,6% in 2026
Gleichzeitig heißt es von Seiten der Politik, dass Deutschland mehr Fachkräfte braucht. Das Institut der deutschen Wirtschaft schätzt die Zahl der bis 2028 fehlenden Fachkräfte auf 768.000. Diese dringende Nachfrage nach neuen Arbeitskräften und die Situation, die junge Menschen gerade auf dem Arbeitsmarkt zu spüren bekommen – Ablehnung, Arbeitslosigkeit und prekäre Verhältnisse – passen für viele nicht zusammen.
Gerade die Übergangsphase von Berufsabschluss zum Berufseinstieg bleibt für viele junge Menschen eine besondere Herausforderung.
In so einer sensiblen Phase steckt auch Christoph Kreis. Der 25-jährige Saarländer hat vor Kurzem seinen Bachelor in Sportwissenschaften abgeschlossen, doch die Perspektive auf eine passende und sichere Stelle bleibt auch ihm verwehrt. Er hat sich auf einige passende Stellen beworben und „ausschließlich Absagen erhalten“. Laut ihm waren die häufigsten Gründe für eine Ablehnung die fehlende Berufserfahrung.
Hauke Harde, Verdi-Jugendsekretär aus Niedersachsen, sieht als Hauptursache für die Situation am Arbeitsmarkt eine Wirtschaftskrise. Er kritisiert besonders die Reaktion der deutschen Politik auf diese Krise. Während für Harde eine Stärkung des deutschen Binnenmarktes durch Investitionen die richtige Antwort wäre, reagiert die derzeitige Regierung mit einem „harten Sparkurs“, welcher die deutschen Unternehmen zu einem starken Stellenabbau zwinge und damit diese Krise für junge Absolvent:innen/ junge Menschen verstärkt.
Doch nicht nur eine schlechte Wirtschaftslage führt zu diesem Ungleichgewicht am Arbeitsmarkt. Welchen Job man später einmal ausübt, hängt neben dem Bildungsabschluss auch von der Region und Herkunft der jeweiligen Person ab: Laut einer Studie des IFO und dem daraus resultierenden „Chancenmonitor“ haben beispielsweise Kinder mit Migrationshintergrund, die von einem alleinerziehenden Elternteil ohne Abitur und mit einem Einkommen von unter 2750 Euro im Monat aufgezogen werden, eine Chance von 21,8 Prozent, auf ein Gymnasium zu gehen. Bei Kindern mit zwei Elternteilen mit Abitur, mit einem Einkommen über 6000 Euro und ohne Migrationshintergrund, liegt die Chance, ein Gymnasium zu besuchen, bei 79,2 Prozent. Erwähnenswert ist hierbei, dass die Studie den Gymnasialbesuch nicht für jedes Kind als beste Bildungsentscheidung sieht, „aber die Chance darauf sollte nicht von der Herkunft oder dem Geschlechts des Kindes abhängen“.
Gegen hohe Arbeitslosenzahlen und strukturelle Chancenungleichheit im Karriereweg bleiben die Antworten der Politik gerade meist aus. Die Folgen dieser Arbeitsmarktkrise sind aber spürbar, und das vor allem für jene Generation, die gerade erst versucht, ihre Karriere zu starten.
