Zwischen Krise und Erwar­tungen: Die Lage von jungen Menschen auf dem Arbeits­markt

Datum
18. August 2026
Autor*in
Erik Schuries
Themen
#Politk #Arbeitsmarkt
Jung und auf Jobsuche

Jung und auf Jobsuche

Foto von Etienne Girardet auf Unsplash

Fast drei Millionen Menschen waren Anfang des Jahres in Deutsch­land arbeitslos. Eine Entwick­lung die diesmal vor allem junge Menschen trifft. Warum?

Wenn man jungen Menschen, die gerade versu­chen, auf dem Arbeits­markt Fuß zu fassen, zuhört, spürt man oft eine zuneh­mende Angst vor der Zukunft. Hohe Arbeits­be­las­tung“, schlechte Arbeits­be­din­gungen“ und wenig Geld und Perspek­tiven“. Die Aussagen wieder­holen sich, wo auch immer man mit Berufseinsteiger*innen spricht. Mit den Sorgen kommt ein immer größer werdender Wunsch nach Plan­bar­keit und Verläss­lich­keit“ sowie die Forde­rung nach mehr finan­zi­eller Unter­stüt­zung während der Ausbil­dungs­zeit und einer Reform des BAFÖGs (Zitate aus unserer Stra­ßen­um­frage).

2025 waren laut der Bundes­agentur für Arbeit  273.000 Menschen unter 25 arbeitslos, das sind 5,7% aller jungen Menschen und damit ein Höchst­stand der letzten zehn Jahre. Insge­samt sind es rund 2,9 Millionen Menschen die derzeit arbeitslos sind. Beson­ders junge Menschen frisch aus dem Studium berichten von Schwie­rig­keiten einen Einstiegsjob zu finden. Hier stieg die Arbeits­lo­sen­quote von Akade­mi­ke­rinnen und Akade­mi­kern 2025 auf 3,3 Prozent und über­schritt damit erst­mals seit 2007 die 3% Hürde. Deutsch­land liegt hier aber immer noch unter dem EU-Durch­schnitt von 3,6% in 2026

Gleich­zeitig heißt es von Seiten der Politik, dass Deutsch­land mehr Fach­kräfte braucht. Das Institut der deut­schen Wirt­schaft schätzt die Zahl der bis 2028 fehlenden Fach­kräfte auf 768.000. Diese drin­gende Nach­frage nach neuen Arbeits­kräften und die Situa­tion, die junge Menschen gerade auf dem Arbeits­markt zu spüren bekommen – Ableh­nung, Arbeits­lo­sig­keit und prekäre Verhält­nisse – passen für viele nicht zusammen. 

Gerade die Über­gangs­phase von Berufs­ab­schluss zum Berufs­ein­stieg bleibt für viele junge Menschen eine beson­dere Heraus­for­de­rung. 

In so einer sensi­blen Phase steckt auch Chris­toph Kreis. Der 25-jährige Saar­länder hat vor Kurzem seinen Bachelor in Sport­wis­sen­schaften abge­schlossen, doch die Perspek­tive auf eine passende und sichere Stelle bleibt auch ihm verwehrt. Er hat sich auf einige passende Stellen beworben und ausschließ­lich Absagen erhalten“. Laut ihm waren die häufigsten Gründe für eine Ableh­nung die fehlende Berufs­er­fah­rung. 

Hauke Harde, Verdi-Jugend­se­kretär aus Nieder­sachsen, sieht als Haupt­ur­sache für die Situa­tion am Arbeits­markt eine Wirt­schafts­krise. Er kriti­siert beson­ders die Reak­tion der deut­schen Politik auf diese Krise. Während für Harde eine Stär­kung des deut­schen Binnen­marktes durch Inves­ti­tionen die rich­tige Antwort wäre, reagiert die derzei­tige Regie­rung mit einem harten Spar­kurs“, welcher die deut­schen Unter­nehmen zu einem starken Stel­len­abbau zwinge und damit diese Krise für junge Absolvent:innen/ junge Menschen verstärkt.

Doch nicht nur eine schlechte Wirt­schafts­lage führt zu diesem Ungleich­ge­wicht am Arbeits­markt. Welchen Job man später einmal ausübt, hängt neben dem Bildungs­ab­schluss auch von der Region und Herkunft der jewei­ligen Person ab: Laut einer Studie des IFO und dem daraus resul­tie­renden Chan­cen­mo­nitor“ haben beispiels­weise Kinder mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund, die von einem allein­er­zie­henden Eltern­teil ohne Abitur und mit einem Einkommen von unter 2750 Euro im Monat aufge­zogen werden, eine Chance von 21,8 Prozent, auf ein Gymna­sium zu gehen. Bei Kindern mit zwei Eltern­teilen mit Abitur, mit einem Einkommen über 6000 Euro und ohne Migra­ti­ons­hin­ter­grund, liegt die Chance, ein Gymna­sium zu besu­chen, bei 79,2 Prozent. Erwäh­nens­wert ist hierbei, dass die Studie den Gymna­si­al­be­such nicht für jedes Kind als beste Bildungs­ent­schei­dung sieht, aber die Chance darauf sollte nicht von der Herkunft oder dem Geschlechts des Kindes abhängen“. 

Gegen hohe Arbeits­lo­sen­zahlen und struk­tu­relle Chan­cen­un­gleich­heit im Karrie­reweg bleiben die Antworten der Politik gerade meist aus. Die Folgen dieser Arbeits­markt­krise sind aber spürbar, und das vor allem für jene Gene­ra­tion, die gerade erst versucht, ihre Karriere zu starten. 


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