Amts­bonus gegen Momentum: Wer gewinnt das Kopf-an-Kopf-Rennen?

Datum
22. März 2026
Autor*in
Leon Ecker
Themen
#Politk #LTWRLP26
Die Parteien setzen im Wahlkampendspurt verstärkt auf ihre Spitzenkandidaten.

Die Parteien setzen im Wahlkampendspurt verstärkt auf ihre Spitzenkandidaten.

Jugendpresse e.V. / Caroline Sauter 

Die CDU liegt in den Umfragen zwar knapp vorn – doch der belieb­teste Poli­tiker kommt von der SPD: Minis­ter­prä­si­dent Alex­ander Schweitzer ist deut­lich beliebter als sein Heraus­for­derer Gordon Schnieder. Kann der Amts­bonus von Schweitzer die SPD nach vorn bringen oder setzt das CDU-Momentum den entschei­denden Akzent? 

Poli­tik­wis­sen­schaftler Prof. Dr. Kai Arzheimer von der Uni Mainz ordnet diese Konstel­la­tion als keines­wegs unge­wöhn­lich ein. Zunächst müsse man berück­sich­tigen, dass die Umfra­ge­werte derzeit sehr eng beiein­an­der­lägen. Der knappe Unter­schied könnte auch statis­ti­sches Rauschen sein“, erklärt der Wissen­schaftler. Im neusten Rhein­land-Pfalz­TREND von Infra­test dimap im Auftrag der ARD liegt die CDU mit 29 Prozent­punkten knapp vor der SPD (28 %). 

Die Macht des Amts­bonus 

Darüber hinaus verweist Arzheimer auf einen klas­si­schen Effekt der Wahl­for­schung: den Amts­bonus. Dies lässt sich auch an Umfragen wie dem Rhein­land-Pfalz­TREND beob­achten. Würde der Minis­ter­prä­si­dent direkt gewählt, würden Schweitzer 41 Prozent ihre Stimme geben. Schnieder hingegen liegt bei 23 Prozent. Als Regie­rungs­chef sei Schweitzer medial präsenter und profi­tiere von höherer Bekannt­heit. Das erklärt warum Schweizer jetzt bekannter und auch beliebter ist als die SPD insge­samt. Es zeigt aber auch, was er seinem Heraus­for­derer voraushat.“ Dieses Phänomen sei aller­dings grund­sätz­lich bei Spit­zen­kan­di­daten von Oppo­si­ti­ons­par­teien zu beob­achten, ordnet Arzheimer ein. 

Es sei von Vorteil einen beliebten Kandi­daten oder eine beliebte Kandi­datin ins Rennen zu schi­cken, weiß der Poli­tik­wis­sen­schaftler. Doch das allein reiche nicht aus, da ein popu­lärer Kandidat keine stabile Partei­b­in­dung von Wählenden über­winden könne. Mit Blick auf die eng beiein­ander liegenden Umfra­ge­werte sagt Arzheimer jedoch: Der Kandidat bringt mögli­cher­weise die paar Prozent­punkte mehr, die man braucht, um dann tatsäch­lich vorne zu liegen.“ Somit könne der Faktor des Spit­zen­kan­di­daten diesmal entschei­dend sein. 

Perso­na­li­sie­rung domi­niert Wahl­kampf 

Laut der Wahl­for­schung prägen drei Faktoren das Wahl­ver­halten: Partei­b­in­dung, Themen und Kandi­daten. Für rund die Hälfte der Wähle­rinnen und Wähler sei die Partei­b­in­dung eine Art Vorein­stel­lung“. Wer sich als Anhänger einer bestimmten Partei verstehe, wähle diese in der Regel auch. 

Inhalte und Themen spielten mit Ausnahme der Bildung im Land­tags­wahl­kampf nur eine unter­ge­ord­nete Rolle. Man sei sich in den Partei­zen­tralen bewusst, dass das Kopf-an-Kopf-Rennen von den Spit­zen­kan­di­daten geprägt und womög­lich auch entschieden werde. 

Entspre­chend stark falle auch die Perso­na­li­sie­rung im Wahl­kampf aus: Man sieht, dass von der SPD ganz viel der Minis­ter­prä­si­dent plaka­tiert wird. Auch die CDU setzt im Endspurt stärker auf Schnieder, berichtet Arzheimer. Beide Parteien nutzen Veran­stal­tungen der Kandi­daten, um Wähle­rinnen und Wähler noch persön­lich zu errei­chen. Für Arzheimer ist die starke Perso­na­li­sie­rung schon sehr auffällig“ in diesem Wahl­kampf. 

Auch Dennis Matheis aus dem Wahl­kreis 45 Kaisers­lau­tern II berichtet von einer starken Perso­na­li­sie­rung und zieht Paral­lelen zum Land­tags­wahl­kampf in Baden-Würt­tem­berg, der von den Kandi­daten Cem Özdemir (Bündnis 90/ Die Grünen) und Manuel Hagel (CDU) domi­niert wurde und am Ende in einem Wahl­krimi entschieden wurde. Die hohen Beliebt­heits­werte erklärt er sowohl mit dem Amts­bonus als auch einem Spit­zen­kan­di­daten der jedem auf Augen­höhe begegnet“. Die Diskre­panz zu den Umfra­ge­werten seiner Partei sei vor allem dem Gegen­wind durch die Bundes­partei geschuldet. Der Direkt­kan­didat findet, dass die SPD wieder mehr die Arbei­ter­kli­entel in den Blick nehmen muss”. 

Spielt takti­sches Wählen eine Rolle? 

Koali­ti­ons­über­le­gungen beein­flussten das Wahl­ver­halten laut Poli­tik­wis­sen­schaftler Arzheimer nur bei einer kleinen, poli­tisch beson­ders inter­es­sierten Gruppe“. Er meint, dass einige Grünen­an­hänger bei dieser Wahl eher die SPD wählen könnten, damit diese den Minis­ter­prä­si­denten stelle und Gordon Schneider als Landes­chef verhin­dert werde. 

Mit Blick auf junge Wähle­rinnen und Wähler sei die Daten­lage begrenzt. Der Einfluss lasse sich schwer messen, da sie in Umfragen zahlen­mäßig schwä­cher vertreten seien. Klar sei jedoch, dass die lang­fris­tige Partei­b­in­dung insge­samt zurück­gehe. Jüngere Gene­ra­tionen seien seltener an Volks­par­teien“ gebunden, während Parteien wie die Grünen, Die Linke oder auch die AfD häufiger Anklang fänden. 

Ange­sichts der knappen Umfra­ge­werte bleibe das Rennen offen. Ob sich der Amts­bonus letzt­lich in einen Wahl­sieg über­setzen lasse oder ob die CDU ihren leichten Vorsprung halte, werde sich erst am Wahl­abend entscheiden. 

Quellen:  

Inter­view mit Prof. Dr. Kai Arzheimer – Johannes Guten­berg-Univer­sität Mainz 

Rhein­land-Pfalz­TREND März 2026 – Reprä­sen­ta­tive Studie im Auftrag der ARD

Sonn­tags­frage Land­tags­wahl, Direkt­wahl Minis­ter­prä­si­dent 

https://​www​.infra​test​-dimap​.de/​u​m​f​r​a​g​e​n​-​a​n​a​l​y​s​e​n​/​b​u​n​d​e​s​l​a​e​n​d​e​r​/​r​h​e​i​n​l​a​n​d​-​p​f​a​l​z​/​l​a​e​n​d​e​r​t​r​e​n​d​/​2026​/​m​aerz/ 


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