Jeder Mensch hat seine eigene Geschichte zu erzählen. Doch wie hält man sie richtig fest? Wie macht man das Erzählte lebendig und zugänglich für andere? Spreewild- und politikorange-Redakteur Moritz Tripp war dabei, als Frank Seibert, Reporter des funk-Kanals „Die Frage“, im Portrait-Workshop der Jugendmedientage Antworten lieferte.
Das Portrait gilt vielen als die Königsklasse der journalistischen Disziplinen. In der Tat ist es sehr viel schwieriger, einen Menschen zu zeigen, wie er ist, als etwa „nur“ ein Interview zu führen oder einen Artikel zu schreiben. Es kommt auf die vielen Kleinigkeiten an, die eine Person ausmachen, ein bestimmter Gesichtsausdruck etwa oder eine Reaktion auf etwas Gesagtes. Diese kleinen, aber feinen Details gilt es festzuhalten, um am Schluss ein lebendiges Portrait einer Person zeichnen zu können. Frank Seibert hat in seiner Rolle als Reporter bei „Die Frage“ schon etliche Menschen begleitet und deren Geschichten in seinen Videobeiträgen erfahrbar gemacht. Im Workshop erklärt er uns, wie er und sein Team das umsetzen. Zuerst wird ein Aufruf zu einem bestimmten Thema geschaltet. Da „Die Frage“ mittlerweile schon eine beträchtliche Reichweite hat, melden sich immer etliche Menschen, die ihre Geschichte erzählen möchten. Franks Autorin führt dann Vorgespräche mit potentiellen Kandidaten, um auszuloten, ob sich deren Geschichte in einem Video erzählen ließe. Dabei wichtig: Es sollte in näherer Zeit ein prägnantes Ereignis im Leben der Person geben, bei dem man dabei sein kann. Denn im Portrait versucht man immer, einen Menschen auch außerhalb seines alltäglichen Lebens darzustellen. Das erzeugt Spannung und zeigt die Reaktionen der Menschen auf ungewöhnliche Situationen. So sollte man zum Beispiel einen Politiker, den man im Portrait zeigt, nicht nur in seinem Büro treffen, sondern ihn gerade auch zu Extremsituationen wie Wahlkampfveranstaltungen begleiten. Hier kann er seine Schlagfertigkeit unter Beweis stellen und zeigen, wie er mit Stresssituationen umgeht – und dadurch ein realistischeres Bild von sich zeigen. Zurück zu Frank: In seinen Beiträgen ist es ihm wichtig, auch zu erzählen, wie es ihm persönlich in den Situationen geht. Er nimmt dadurch selbst eine Rolle in der Geschichte ein, die er erzählt. Das ist ungewöhnlich, kommt aber sehr gut bei seiner Zuschauerschaft an. Wenn man Menschen für eine gewisse Zeit so intensiv begleitet und ihre Geschichten erzählt, baut man laut Frank auch immer einen Bezug zu ihnen auf. Mitunter kann es dann vorkommen, dass die Grenzen zwischen Journalist und Freund anfangen zu verschwimmen; man selbst als Journalist*in sollte aber immer versuchen, eine gewisse Distanz zu wahren.
Foto: Jugendpresse Deutschland/Annkathrin Weis
