Jörg Schö­nen­born im Inter­view: Die einzige Konstante

Datum
14. Februar 2023
Autor*in
Arzu Yaftali
Thema
#Gesellschaft
Jörg Schönenborn (Wahlmoderator ARD)

Foto: Jugendpresse Deutschland / Saad Yaghi

Jörg Schö­nen­born arbeitet seit über 20 Jahren als Wahl­mo­de­rator der ARD. Im Inter­view erzählt er, was er durch seinen Job gelernt hat und welche Beob­ach­tungen er über die Jahre hinweg machen konnte.

Was ist beson­ders wichtig bei der Bericht­erstat­tung? 

Präzi­sion. Vorher genau zu über­legen, ob das, was man sagt, auch richtig und eindeutig ist. Gerade, wenn es um Wahlen und Wahl­ana­lysen geht, muss alles, was ich sage, stimmen.

Und was ist im Falle der Wieder­ho­lungs­wahlen beson­ders wichtig? 

Ich glaube es ist wichtig, dass die Parteien Demut zeigen. Dass sie sich bewusst sind, dass Verwal­tungen, für die sie verant­wort­lich sind, etwas verbockt haben und jetzt nicht so tun, als hätten sie dafür keine Verant­wor­tung.

Was ist der Unter­schied bei Bericht­erstat­tung zu Land­tags­wahlen und der Bundes­tags­wahl? 

Bei der Bundes­tags­wahl wissen alle, es geht um die großen Themen des Landes und der Welt. Bei der Land­tags­wahl spielen sie zwar auch eine Rolle, aber man muss immer genau gucken, wie viel Landes­po­li­ti­sches oder Regio­nales wirk­lich dabei ist — in Berlin übri­gens sehr viel.

Was sagen Sie zu dem Vorwurf, dass die Regie­rungs­partei im Fern­sehen einen Vorteil hat? 

Regie­rungs­par­teien haben den Vorteil, dass sie ein Pres­seamt und eine Staats­kanzlei haben. Inso­fern können sie offi­zi­elle Termine setzen und somit den Termin­plan bestimmen. Das ist ein Vorteil, weil Journalist*innen nicht daran vorbei­kommen.

Hat sich Ihre poli­ti­sche Meinung durch Ihre Arbeit als Wahl­be­richt­erstatter verän­dert? 

Ich habe als Jour­na­list viele Politiker*innen in vielen Situa­tionen eng und persön­lich erlebt und das hat bei mir eher den Respekt erhöht, für das, was da gemacht wird.

Wie hat sich die Bericht­erstat­tung von Wahlen über die Jahre verän­dert? 

Es gibt keine Konstanten und Gewiss­heiten mehr — Parteien schwanken nach oben und nach unten. Und es kann bei jeder Wahl extreme Verän­de­rungen geben, das war früher nicht so.

Wie verläss­lich sind Umfragen, wie verläss­lich Prognosen?

Umfragen vor dem Wahltag sind einfach nur Umfragen, eine Stim­mungs- und Moment­auf­nahme. Das, was um 18:00 Uhr als Prognose kommt, ist statis­tisch sehr gut und sehr nah am späteren Ergebnis.


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Das ist eine reale Gefahr.“

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