Ich hatte prägende Erleb­nisse“ – wie geht Impro­theater über Politik?

Datum
12. Mai 2019
Autor*in
Isabel Knippel
Thema
#JPT19
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Foto: Jugendpresse Deutschland/Annkathrin Weis

Hard­rock, Miet­wahn­sinn und Bolly­wood bestimmen die Abend­ver­an­stal­tung am Freitag der Jugend­po­li­tik­tage. Eine Rezen­sion von Isabel Knippel.

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Tanzende Jugendliche beim Improtheater Foto: Annkathrin Weis

Drei schwarz geklei­dete Menschen springen in abstrusen Bewe­gungen auf der Bühne herum. Zusam­men­hän­gende Hand­lungen sind auf dem ersten Blick nicht erkennbar. Poli­ti­sche Bemer­kungen fallen, gar Ironie und Spon­ta­nität. Auf einmal hüpft das gesamte Publikum für eine La-Ola-Welle auf. Impro­theater– zuerst hat man keine Ahnung was passiert, erst bei näherem Hinschauen ergibt alles einen Sinn. Manch ein trockener Poli­tik­sach­ver­halt entlockt auf spie­le­ri­sche Art und Weise sogar ein Schmun­zeln. An diesem Frei­tag­abend geben die Schau­spie­lenden des Teams von ImproBerlin“ die Formate der Darstel­lung vor, viel mehr aber auch nicht. So singen sie zum Beispiel ein Lied, aber das Genre darf das Publikum aussu­chen. Der Titel des Songs steht auf kleinen Zettel­chen, die in der Mitte der Bühne quer verstreut sind. Die Teil­neh­menden haben vorher spon­tane Gedanken auf die Zettel geschrieben, die dann anschlie­ßend einge­sam­melt werden. So kommt es unter anderem dazu, dass einer der Schau­spieler sich bei der Hard­rock­va­ri­ante von Ich liebe das Chaos“ veraus­gabt. Der Saal bebt. Ein Rock­kon­zert gab es auf den Jugend­po­li­tik­tagen wohl auch noch nie. Ein anderes Mal werden sanf­tere, aller­dings nicht weniger mitrei­ßende Klänge ange­stimmt: Der Schlager Ich hatte prägende Erleb­nisse“ verleitet die Teil­neh­menden zuerst zum Mitwippen, dann zum Mitsingen und schließ­lich zu einer Polo­naise. Auch bei anderen Formaten wird das Publikum immer wieder einge­bunden und auf die Bühne gebeten: Ein Jugend­li­cher, der zum Autor dekla­riert wird, kommt zu einer Lesung über ein spontan über­legtes Thema. Poli­tisch hoch­bri­sant und aktuell wird über den Häuser­kampf“ geredet, doch jeder der drei neben­ein­an­der­ste­henden Spieler darf nur ein Wort sagen. So geht also das Thema Miet­wahn­sinn auf Impro­theater-Sprech. Am Ende gibt es noch eine kurze, einfache Geschichte einer Teil­neh­merin über ihre ersten Eindrücke in Berlin, die daraus bestehen, dass sie am Bahnhof wartet und von ihrem Betreuer abge­holt wird. In verschie­denen Genres wird diese jedoch dann zu Bolly­woodd­rama, Western-Action, Horror­movie und laszivem Erotik­film. Bei jedem Mal wird’s ausschwei­fender, bei jedem Mal haben die Schau­spieler einen Lacher mehr auf ihrer Seite, bis schließ­lich das ganze Publikum aufspringt und ener­gie­ge­laden seiner Begeis­te­rung Ausdruck verleiht. Auslau­gende Diskus­sionen und Erschöp­fung des Tages scheinen fern und längst vergessen. 

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