„Kinder sind unsere Zukunft.“ Diese Aussage hört man häufig. Doch dann bleibt die Frage, warum nicht mehr in unsere Zukunft investiert wird. Insbesondere in Bezug auf die Bildung ist hier eine Diskrepanz erkennbar zwischen der allgemeinen Zustimmung, dass es Nachholbedarf gibt und der Realität. Die Liste der anzugehenden Themen ist lang.
In einer sich rasant wandelnden Welt rückt die Frage in den Fokus, wie die Landespolitik Kinder und Jugendliche so stärken kann, dass sie den Herausforderungen gewachsen sind. Dabei stechen vor allem Themen wie Demokratiebildung, Digitalisierung/Medienkompetenz, Soft Skills, Mentale Gesundheit oder der Zustand der Bildungseinrichtungen in den Vordergrund.
Allem voraus braucht es jedoch Anknüpfungspunkte: Was müssen die Kinder bei Schulantritt schon an Grundlagen mitbringen, sodass sie weiter gefordert und gefördert werden können? Zu frühkindlicher Bildung schreibt die Pressestelle des rheinland-pfälzischen Bildungsministeriums (MB RLP), zum damaligen Zeitpunkt SPD geführt, auf Anfrage: „Frühkindliche Bildung ist essenziell, um später im Leben teilhaben zu können. Wer als Kind die Sprache spricht und versteht, der wird schnell soziale Kontakte knüpfen und auch in der Schule erfolgreich sein. Deshalb ist frühkindliche Bildung so wichtig, um eventuelle Defizite zu erkennen und zu beheben, bevor sie zu Chancenungleichheit und Frustration führen.“
Chancenungleichheit ist ein weiterer wichtiger Stichpunkt, denn der Bildungserfolg in Rheinland-Pfalz hängt nach wie vor auch vom Elternhaus ab. Man könnte sich da fragen, warum die Landespolitik das bisher nicht weiter aufbrechen konnten. Laut MB RLP brauche es Zeit, bis sich langfristige Entwicklungen in Studien niederschlagen würden. Gleichzeitig verweisen sie auf Erfolge wie beispielsweise aufgrund des Startchancenprogramms, Familiengrundschulzentren oder mehr Schulsozialarbeit.
Immer lauter wird auch die Forderung nach flächendeckender politischer Bildung, so auch beispielsweise vom Landesjugendbeirat oder der Landesschüler*innenvertretung. Die Schule selbst muss hierbei einen demokratischen Ort darstellen, sodass sie aktiv gelebt wird und nicht nur über sie gesprochen wird. Das MB RLP führt hierzu das Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ auf, das es seit 2008 in Rheinland-Pfalz gibt. Hierbei stellt sich jedoch die Frage, wie aktiv das auch vor Ort gelebt wird. Wie viel Raum wird dem Thema Demokratie in der Schule gegeben und wie viel qualifiziertes Personal steht zur Verfügung? Gleichzeitig herrscht nämlich auch eine ständige Konkurrenz zwischen der Unterrichtsbesprechung und der äußeren Resonanz in Bezug auf Politik. Wo es anfangs die Eltern sind, welche verantwortlich für die Urprägung zum Thema Politik sind und eine wichtige Sozialisationsfunktion einnehmen, rücken danach die Peer-Group beziehungsweise Social-Media in den Vordergrund.
Nichtsdestotrotz gibt es bereits auch weitere Konzepte wie Juniorwahlen, Schülerzeitungen und Schülerinnenvertretungen. Zudem schreibt das MB RLP, dass auch die Erinnerungskultur fest im Lehrplan verankert sei durch Gedenkstättenfahrten oder Gespräche mit Zeitzeugen.
Auf die Frage, warum es Schule schwerfällt, sich zu verändern, schreibt das MB RLP, dass es stetig Veränderungen brauche, genauso wie Zeit, um alle auf dem Weg mitzunehmen. Diesbezüglich könne „das Land hier vor allem gute Rahmenbedingungen schaffen. Zum Beispiel haben wir allen Schulen kostenlos eine Lizenz für das KI-Tool „fobizz“ zur Verfügung gestellt, weil es wichtig ist, dass junge Menschen den reflektierten und kritischen Umgang mit Künstlicher Intelligenz lernen.“ Welche Fähigkeiten brauchen junge Menschen in Zukunft, die aktuell noch zu wenig im Unterricht vorkommen. Ist das deutsche Schulsystem zu stark auf Abschlüsse und Noten fixiert? Das MB RLP äußert sich dazu so: „Noten und Schulabschlüsse dienen als Bewertungsgrundlage und zur Vergleichbarkeit. Sie zeigen die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Damit Noten aussagekräftig sind, müssen Schulen diese Entwicklung durch Kompetenzerwerb und eine Feedbackkultur ermöglichen.“ Aber es wird auch angemerkt, dass verschiedene andere Kompetenzen wie unter anderem Kritisches Denken, demokratische Werte und mentale Gesundheit in den Fokus rücken würden.
An diesem Ansatz probieren sich verschiedene Schulen in RLP mit der Initiative „Schule der Zukunft“ aus. So beispielsweise ein Mainzer Gymnasium, dass anstelle von Frontalunterricht und festen Stundenplänen, auf Feedbackgespräche mit Lehrkräften und neuen Prüfungssystemen setzen würde laut MB RLP. Zudem betont das MB, dass sich eine andere Fehlerkultur etablieren müsse und es mehr Mut für Veränderungen brauche. Außerdem biete die „Schule der Zukunft“ große Freiräume für Schulen, die ihnen eine gewisse Autonomie verschaffen, sowie durch finanzielle Budgets, die sie selbstständig verwalten könnten, so das MB RLP.
Was lässt sich aus den Antworten des Bildungsministeriums für die Zukunft der Bildung sagen? Es gibt bereits Initiativen und Konzepte, die in die Richtung einer zeitgemäßeren, flexibleren und praxisorientierteren Bildungszukunft resultieren. Trotzdem ist immer die Frage, was konkret bei den Schülerinnen und Schülern ankommt und wie die Theorie mit ihren Lebensrealitäten korrespondiert.
Nun bleibt es spannend, denn durch die Landtagswahl 2026 wird eine neue Regierung gewählt und somit besteht die Möglichkeit in Zukunft neue oder andere Akzente – nicht nur auf bildungspolitischer Ebene – zu setzen.
Ministerium für Bildung Rheinland-Pfalz
Jugendpresse e.V./ Caroline Sauter
Quellen:
Pressestelle des Ministeriums für Bildung des Landes Rheinland-Pfalz
Hintergrundgespräch mit Herrn Michael Sauer (Lehrer im Fach Sozialkunde und Landesvorsitzender DVPB Landesverband RLP)
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