Bundesregierung, Bundespressekonferenz, Bundesfinanzamt und Bundesregierungssprecher – all die großen Wörter, die man, insbesondere als junger Mensch, nur in den Nachrichten als unerreichbare Konzepte gelegentlich aufschnappt. Nicht gerade Dinge, die in Griffweite unseres Alltagslebens liegen, oder gar nah am täglichen Geschehen – dabei sind alle diese Institutionen für die Bevölkerung angedacht, konzipiert, um der demokratischen Gesellschaft, den Bürgern direkt zu dienen.Umso wichtiger ist es, besonders in Zeiten der sich drastisch beschleunigenden Digitalisierung und politischen Distanzierung, dass gerade die Bundesregierung den Draht zu ihren Bürgern nicht verliert und mehr denn je stärkt.
Der Tag der offenen Tür ist herbei wohl der Inbegriff dieser Mission. Wie jedes Jahr im Sommer öffnet die Regierung die Tore zu ihren zentralen Gebäuden für jeden, der Fragen loswerden, oder bloß einen Blick hinter die Kulissen werfen möchte.
Dass die Nachfrage dafür hoch war, wurde direkt zu Beginn des Wochenendes des 20. Juni deutlich. Trotz sengender Hitze und Gewittersturm waren die Locations bereits zu früher Stunde gut gefüllt. Insbesondere Kinder und Senioren waren stark vertreten. Ein gutes Zeichen für bürgerliche Empanzipation?
Das Programm war in Qualität vielfältig, aber vor allem in Quantität erschlagend. Kurzfristige Verschiebungen der Programmpunkte und vor allem parallel laufende Sitzungen und Bühnentalks machten die Qual der Wahl, wo man denn nun hin wolle, noch viel stärker. Von Kinder Entertainment für die Jüngsten, über kulturell-historische Hausführungen bishin zu teils hitzigen Diskursen zwischen Politikern und Besuchern war die Agenda randgefüllt. Ohne Frage waren die Highlights des Wochenendes direkte Konferenzen mit Vertretern und Sprechern der Bundesregierung. Ob es nun Stefan Kornelius bei der Kinder- und Jugendpressekonferenz, Karin Prien im ungewöhnlichen Duo gemeinsam mit Fußballstar Christoph Kramer, oder abschließend Bundeskanzler Friedrich Merz höchstpersönlich im Kanzleramt war; der Andrang war bei Gelegenheit auf direkten Austausch immer am höchsten. Obgleich die Zeit und auch teils Antworten der Politiker knapp und partiell unbefriedigend für Besucher waren, sowohl Bereitstellung seitens der Regierung als auch Interesse der Anwesenden sind ein mehr als zufriedenstellendes erstes Zeichen für den vielversprechenden Wiederaufbau des doch abnehmenden Vertrauens, welches man auch während den Fragerunden feststellen konnte. Dialog ist wichtig, politische Weiterentwicklung keine Einbahnstraße. Gegenseitiges Zuhören kann unsere demokratische Ordnung von Grund auf herauf versorgen und neu gestalten – etwas, wobei der Tag der offenen Tür ein wichtiger erster Schritt sein kann.
