Am Wochenende vom 20. bis 21. Juni 2026 öffneten mehrere Institutionen der Bundesregierung ihre Türen, unter anderem, um bei der Kinder- und Jugendpressekonferenz wichtige Fragen wie die Lieblingsspeise des Kanzlers zu klären. Politikorange war für euch vor Ort mit dabei und hat Eindrücke und O‑Töne gesammelt.
„Warum handelt Deutschland nicht mit mehreren, jüngeren Demokratien, um die Abhängigkeit von China zu verringern?“ Im Rahmen der Kinder- und Jugendpressekonferenz wird diese Frage gleich zu Beginn aus dem jungen Publikum an den Regierungssprecher Stefan Kornlius gestellt. Schon jetzt ist klar: Kornelius muss sich nicht nur leichten Alltagsfragen stellen, denn die Kinder haben große Themen mitgebracht.
Ein Highlight für Kinder am Tag der offenen Tür
Am Wochenende vom 20. bis 21. Juni 2026 öffneten mehrere Institutionen der Bundesregierung ihre Türen, um den Austausch mit interessierten Bürger:innen zu schaffen. Einen Blick hinter die Kulissen ermöglichte auch das Bundespresseamt. Neben einer Hausführung mit Fokus auf die historische Architektur des Gebäudes, präsentierte das Besucherzentrum des Bundespresseamtes ein umfangreiches und buntes Angebot für Kinder und Jugendliche. Laut Presse- und Informationsamt der Bundesregierung nahmen rund 90 interessierte junge Menschen an der Kinder- und Jugendpressekonferenz teil und löcherten den Regierungssprecher Kornelius eine Stunde lang mit ihren Fragen.
Aufgeregte Neugier
Nachdem der Moderator Norman Baumgartner einleitend erklärt, wen die Kinder gleich befragen dürfen, ist die Stimmung im Raum aufgeregt und etwas ungeduldig. Beim Blick in die vorderen Reihen sind Kinder zu entdecken, die sich nochmal austauschen oder ganz gespannt warten. Manche von ihnen haben Fragen vorbereitet, manche entscheiden spontan, ob ihnen eine Frage einfällt. Die 10-Jährige Sarina weiß noch nicht ob sie gleich eine Frage stellen wird, ist aber dennoch vorbereitet auf die Pressekonferenz: „In der Schule haben wir in der AG über Politik gesprochen, für die Schülerzeitung.“ Weiter hinten in den Reihen sitzen die Geschwister Mark und Katharina. Beide wissen, dass sie keine Frage stellen werden, sind aber gespannt auf die der anderen Kinder. „Ich hoffe, dass ich was über Politik lernen kann. Ich weiß schon, dass wir das Thema nächstes Jahr in der Schule haben werden“, erklärt der 12-Jährige. Für seine 8‑jährige Schwester war Politik noch kein Thema in der Schule, dennoch weiß auch sie, dass sie viel von dem Tag lernen wird.
Eröffnung der Fragerunde
Der Regierungssprecher wird mit Applaus auf der Bühne begrüßt. Nach einem kurzen, einleitenden Gespräch und der Erklärung der Aufgaben eines Pressesprechers, eröffnet der Moderator die Fragerunde für die jungen Besucher:innen.
„Warum versprechen Politiker im Wahlkampf Sachen, die sie nicht einhalten können?“
Eine Frage, die sich sicherlich viele Bürger:innen stellen, traut sich ein Junge aus der Mitte des Publikums zu fragen. Regierungssprecher Kornelius versucht darauf eine Antwort zu finden und erklärt, dass es im Sinne der Demokratie sogar besonders wichtig sei, Politiker:innen nicht allein nach ihren Ideen und Vorstellungen entscheiden zu lassen. Er fügt hinzu, Politiker:innen versuchten, im bestmöglichen Willen aller Bürger:innen zu handeln. Abschließend ermahnt er die junge Generation: „Es ist euer System, eure Demokratie, euer Land. Seid froh, dass es Leute gibt, die diesen Job machen!“ Die Greifbarkeit und der Zugang zu Politik ist ein immer wiederkehrendes Thema in den Fragen der Jugendlichen. Auf die Frage, was die Bundesregierung gegen das Verfassen von Bundestagsreden für Social Media und den wachsenden Populismus auf TikTok tun wolle, erklärt Kornelius, dass die Bundesregierung versucht sei, immer eine Breite und Fülle an Informationen zu geben. Er gibt allerdings zu, dass der Umgang mit Social Media wie ein „Kampf gegen die Schwerkraft“ sei und appelliert an die Zuschauenden:
„Misstraut und hinterfragt, was ihr auf Social Media seht – auch bei dem, was die Bundesregierung sagt.“
Zwischendurch darf sich Kornelius auch leichteren Themen wie der Frage nach dem Lieblingsessen des Kanzlers widmen – es ist Kirschjoghurt, wie der Regierungssprecher, ohne zu zögern, antwortet. Die Kinder- und Jugendlichen stellen außerdem Fragen zum Thema Wehrdienst und Aufrüstung. Auch auf infrastrukturelle Themen wie Energie, kindertaugliche Radwege und Tempolimit muss Kornelius eingehen. Beim Thema Bildung bringt ein Mädchen aus den vorderen Reihen eine Idee aus dem Nachbarland ein: „In Dänemark gibt es Empathie und soziale Kompetenz als Unterrichtsfach. Wann gibt es das auch bei uns?“ Nach einer unbeantworteten Rückfrage von Kornelius, ob sie überhaupt wisse, was das ist, beantwortet der Regierungssprecher die Frage eher ausweichend. Er sagt, dass solche Kompetenzen zum Schulunterricht dazugehören, dass Lehrer:innen sie in jedem Fach vermitteln sollen und dass Kinder untereinander schon sehr viel darüber lernen würden. Auch die 10-jährige Elisabeth stellt eine kontroverse Frage zum Thema Bildung. Sie hat durch einen Schulwechsel selbst gemerkt, wie unterschiedlich die schulische Ausstattung und die Unterrichtsqualität sein kann und fragt den Regierungssprecher nun:
„Warum wird so wenig Geld in Bildung gesteckt, während so viel Geld in die Rente gesteckt wird?“
Kornlius erklärt, dass der Staat auch viele andere Stellen bezahlen müsse und es Stellen gebe, für die er nicht mehr das Geld habe. In einem kurzen Nachgespräch mit der 10-Jährigen erklärt sie ihre Enttäuschung über die Antwort: „Mir hat die Antwort nicht gereicht, er ist viel ausgewichen und hat meine Frage nicht so richtig beantwortet.“
Kinder wollen gehört werden
Die rege Beteiligung der Kinder und Jugendlichen am Dialoggespräch mit dem Regierungssprecher zeigt, dass viele Themen, die von Erwachsenen diskutiert werden, auch großen Einfluss auf die Jüngeren im Land haben.
Zum Abschluss wurde ein Erinnerungsfoto mit den jungen Besucher:innen und dem Regierungssprecher gemacht. Danach widmete sich die Moderation wieder dem Programm zwischen den Veranstaltungen: die Quizrunde für Kinder.
