Wer bin ich, und wenn ja, wie viele?

Datum
28. Juni 2015
Autor*in
Fanny Lüskow
Thema
#change agents 2015
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Alle Menschen haben Vorur­teile. Das müssen auch die Schüler*innen des change agents“-Seminars fest­stellen und disku­tieren, woher die eigenen Normen und Werte kommen.

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Nicht immer einfach: Schüler*innen auf der Suche nach den eigenen Vorurteilen (Foto: Tim Lüddemann)

Enga­giert man sich in globalen Part­ner­schaften, kommt man nicht darum herum, sich mit der eigenen Biografie zu beschäf­tigen: Aus welcher Posi­tion spreche ich? Was macht meine Iden­tität aus? Wie bin ich geworden, wer ich bin? Was hat mich geprägt, was macht mich als Mensch aus? Welche Werte und Über­zeu­gungen habe ich – und warum genau diese?

Die eigenen Werte kennen

In der Begeg­nung mit anderen Kulturen spielen diese Fragen eine große Rolle“, so Team­leiter Akinola Famson von Enga­ge­ment Global/​ENSA. Er begibt sich zusammen mit den Schüler*innen des change agents“-Seminars auf die Suche nach der eigenen Iden­tität und regt mithilfe von selbst­bio­gra­fi­schen Übungen zum Denken an. Wir sind anhand unserer Normen und Werte programmiert2, erzählt der gebür­tige Nige­rianer. Nur wenn ich ehrlich zu mir selbst bin und meinen eigenen Vorur­teilen auf die Spuren komme, kann ich mich Neuem wirk­lich öffnen und tole­rant gegen­über Anderem sein“.

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Fußballer sind...? Ja, was eigentlich? Schüler*innen assoziieren Eigenschaften zu bestimmten Menschengruppen (Foto: Sebastian Stachorra)

Weil Werte unser Denken, Fühlen und Handeln bestimmen, seien sie eine wich­tige Konstante; sie leiteten uns gewis­ser­maßen durch das Leben. Erschüt­te­rungen gehörten jedoch dazu und seien laut Famson gerade in inter­kul­tu­rellen Kontexten häufig: Jedes Mal, wenn man sich irri­tiert fühlt, ist einer der Grund­werte bedroht oder gestört“, erklärt Famson das Gefühl von Unsi­cher­heit im Ausland und im Umgang mit Menschen anderer Kulturen.

Jede*r hat Vorur­teile

Wie entstehen Werte einer Gesell­schaft? Die Einfluss­fak­toren seien viel­fältig, so Akinola Famson weiter. Sie reichten von Medien, über elter­liche und schu­li­sche Erzie­hung, Witze und Sozia­li­sa­tion bis hin zu Liedern, Spielen und Reli­gion. Von diesen Einflüssen könne sich niemand frei machen – kurzum: jede*r habe Vorur­teile.

Diese Erkenntnis darf aber nicht betroffen machen. Sie muss dazu anhalten, sich selbst immer wieder neu in Frage zu stellen und über die eigenen biogra­fi­schen Hinter­gründe nach­zu­denken. Wieso gelingt Kommu­ni­ka­tion manchmal nicht? Warum habe ich bestimmte Erwar­tungen und bin von einer Situa­tion enttäuscht? Wer sich selbst kennen­lernen möchte, sollte keine Angst vor Enttäu­schungen haben. Im Gegen­teil: Sie helfen, sich selbst und die eigenen Ansprüche zu verstehen und andere nicht vorschnell zu verur­teilen, offener für neue Situa­tionen zu sein. Also: Wer bist du, und wenn ja, wie viele?

Sebas­tian Stachorra hat den Selbst­ver­such gewagt: Seinen Kommentar könnt ihr hier lesen.


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