Volt vs. SPD – Klein­partei vs. Tradi­ti­ons­partei

Datum
27. Juni 2022
Autor*in
Anna-Luisa R
Themen
#Basics #Neueste
Lucas Sapienza - Mitglied der Partei Volt

Lucas Sapienza - Mitglied der Partei Volt

Lucas Sapienza

Wie ist es Mitglied einer Klein­partei zu sein? Ein Inter­view mit Lucas Sapi­enza

Die Partei Volt ist eine Pro euro­päi­sche Partei, die im Jahre 2017 gegründet wurde. Sie fiel in der Vergan­gen­heit vor allem durch ihre Ergeb­nisse bei den Kommu­nal­wahlen 2020 in Bonn, Köln und Münster auf und über­holte in diesen Städten sogar die AfD. Aber wofür genau steht eigent­lich die Partei Volt und wie ist es, Mitglied in einer Klein­partei zu sein? Lucas Sapi­enza war 2018 noch Vorsit­zender der JUSOS im Kreis Viersen und Mitglied der SPD. Nach seinem Austritt trat er der Klein­partei Volt bei und kandi­dierte im Jahr 2022 für die Land­tags­wahl NRW im Kreis Viersen II. Im Inter­view erklärt er, wo die zentralen Gemein­sam­keiten und Unter­schiede zwischen der Mitglied­schaft in einer etablierten Partei und einer Klein­partei liegen.

Können Sie mir zunächst einen kurzen Über­blick über Ihre poli­ti­sche Lauf­bahn geben?

So richtig ange­fangen mich für Politik zu inter­es­sieren, begann ich im Jahr 2015 aufgrund der Grie­chen­land­krise. Dort habe ich richtig gemerkt, wie wichtig das Zusam­men­spiel der einzelnen Staaten in unserer EU ist. Partei­po­li­tisch aktiv bin ich dann im Februar 2017 durch meinen Beitritt zur SPD geworden und war dann seit März 2018 JUSO Gründer und Vorsit­zender in der Stadt Kempen. Nach dem Austritt aus der SPD im Jahre 2021 bin ich dann zufällig auf die Partei Volt gestoßen und habe mich dann doch noch einmal entschlossen, einer Partei beizu­treten.

Was hat Sie bewegt, dann doch noch einmal in eine Partei einzu­treten grade, wenn Sie bei der SPD nicht so zufrieden waren?

Auch in die SPD bin ich damals aufgrund unserer Euro­päi­schen Union und den euro­päi­schen Föde­ra­lismus einge­treten, dies war mir aller­dings nicht umfas­send genug. Volt ist eine paneu­ro­päi­sche Partei, die heute in 30 Ländern vertreten und in 16 als natio­nale Partei regis­triert ist. Ich wusste somit bei meinem Partei­ein­tritt, dass die Zusam­men­ar­beit inner­halb der Länder sehr intensiv sein muss. Alle Länder haben dasselbe Wahl­pro­gramm, dieselben Werte und dieselbe Vision. Es müssen tagtäg­lich alle Meinungen und Bedürf­nisse der euro­päi­schen Länder auf einen Nenner gebracht werden, und dies geht eben nicht ohne enge Zusam­men­ar­beit. Als ich mich noch umfas­sender mit der Partei befasst habe, wusste ich: Hier möchte ich nochmal mein Herz­blut herein­ste­cken, das lohnt sich und ich habe es bis jetzt keines­wegs bereut.

Dann können Sie bestimmt gut evalu­ieren, wo die Unter­schiede bei der Mitglied­schaft in einer kleinen Partei im Vergleich zur Mitglied­schaft bei der SPD liegen. Wo liegen die zentralen Unter­schiede?

Tatsäch­lich gibt es da immense Unter­schiede. Die Rahmen­be­din­gungen sind andere. In der SPD gab es eine Partei­fi­nan­zie­rung, bei Volt müssen wir die Ausgaben auf ein Minimum redu­zieren, da wir uns bisher ausschließ­lich durch Spenden finan­zieren. Dies ist auch zurzeit einer meiner Jobs bei der Volt. Ich kümmere mich darum, die finan­zi­ellen Mittel, die uns zur Verfü­gung stehen, im Raum Düssel­dorf zu koor­di­nieren. Außerdem ist es bei einer großen Partei immer möglich zu sehen, wie die Öffent­lich­keit auf verschie­dene Dinge reagiert. Du siehst, welche Auswir­kungen deine Aussagen oder die Aussagen deiner Partei­mit­glieder haben und ob sich die Umfra­ge­werte hier­durch verän­dern. Hier­durch entsteht ein starkes Gefühl der Zusam­men­ge­hö­rig­keit. Natür­lich ist das Zusam­men­ge­hö­rig­keits­ge­fühl bei der Volt auch gegeben, aber wir sind inner­halb der Presse und Öffent­lich­keits­ar­beit im Vergleich zur SPD oder zu den anderen großen Parteien eher unsichtbar. Bei den Land­tags­wahlen, bei denen ich für den Kreis Viersen kandi­diert habe, habe ich dies beson­ders bemerkt. Bei Veran­stal­tungen, die über das Partei­pro­gramm der einzelnen Parteien aufklären, werden wir als Klein­partei eben nicht so häufig einge­laden. So entsteht andau­ernd eine Achter­bahn der Gefühle. In einem Moment denke ich, ich kann bei der Volt wirk­lich was leisten und im nächsten Moment reali­siere ich dann, dass mich die ganzen lokalen Medien, aber auch die Schulen nicht zu den Diskus­sionen einladen, weil wir eben dann doch nur‘ eine kleine Partei sind. Das bringt einen dann wieder in die Realität zurück. Weil wir so wenig zu verlieren haben, haben wir eben auch so viel zu gewinnen.

Würden Sie sagen, es gibt Unter­schiede in der Mitsprache und dem Einbringen von neuen Ideen?

Ich habe durch die Mitglied­schaft in der Volt sehr viele Gestal­tungs­mög­lich­keiten. Eine gute Idee in einer kleinen Partei wird sehr schnell ange­nommen und fällt auf frucht­baren Boden. Vor allem, weil wir wissen, dass es gute Ideen braucht, um mehr Reich­weite zu gene­rieren und mehr Menschen durch unsere paneu­ro­päi­schen Ideen anzu­spre­chen. Meine Erfah­rung bei der SPD war, dass auch hier gute Ideen immer will­kommen sind. Aller­dings ist die Präsen­ta­tion eine andere. Du sprichst zunächst mit einzelnen Leuten, um schon einmal eine Grund­zu­stim­mung zu haben. Deshalb würde ich sagen, dass die Mitsprache in der Volt auf jeden Fall inten­siver ist.

Gibt es einen Unter­schied in den partei­in­ternen Struk­turen und im Aufbau?

Zudem gab es bei der SPD immer klare Struk­turen, es gab ein Team, jeder hatte seinen Verant­wor­tungs­be­reich. Klar gibt es immer Mitglieder, die mehr enga­giert sind als andere, dennoch war es immer ein etabliertes, einge­spieltes Gefüge. Bei der Volt haben wir durch unsere im Vergleich nied­rigen Mitglie­der­zahlen gar nicht die Möglich­keiten dazu. Ich habe oft das Gefühl, dass ich von Außen­ste­henden nicht als Poli­tiker wahr­ge­nommen werde, weil ich Mitglied in einer kleinen Partei bin. Wenn ich früher gesagt habe, dass ich Mitglied der SPD bin, wusste jeder sofort, was es für eine Partei ist. Jeder hatte direkt ein Bild im Kopf und kann etwas mit der Partei anfangen, egal, ob die eigene Meinung über die SPD eher positiv oder negativ auffällt. Wenn ich sage, dass ich Mitglied bei der Volt bin und im Rahmen der Land­tags­wahlen in NRW kandi­diert habe, wissen natür­lich viele nicht genau oder gar nicht, was Volt für eine Partei ist und wofür sie steht. Ich kann das öffent­liche Bild über die Partei noch viel einfa­cher formen, auch weil die Struk­turen nicht so fest­ge­fahren sind.


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