Jugend­li­ches Enga­ge­ment. Das Heil­mittel gegen poli­ti­sche Macht­lo­sig­keit? 

Datum
04. November 2023
Autor*in
Nadgemi Bonanga
Themen
#Politik #JMWS23
Titelbild Nadgemi

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Foto: Bob Dmyt, pixabay
Bundes­weit enga­gieren sich viele Jugend­liche sich für die Themen, die Ihnen am Herzen liegen. Möglich­keiten, sich einzu­bringen gibt es viele. Was haben sie davon und was sagt die Politik dazu?

Vielen Jugend­li­chen wird Poli­tik­ver­dros­sen­heit vorge­worfen. Andere wiederum, haben Inter­esse, aber klagen über große Unzu­frie­den­heit. Doch es gibt auch dieje­nigen, die dieser Unzu­frie­den­heit bewusst entge­gen­wirken. Bundes­weit enga­gieren sich Jugend­liche für die Themen, die Ihnen am Herzen liegen.

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Foto: Bob Dmyt, pixabay

Zu wenig Reprä­sen­ta­tion für junge Menschen in der Politik, Unklar­heit darüber, was die Jugend eigent­lich will, Entschei­dungen ohne Berück­sich­ti­gung der betrof­fenen Gene­ra­tion – diese Gründe gaben Jugend­li­chen an, die für diesen Beitrag zu ihrer Unzu­frie­den­heit inter­viewt wurden. Die Eigen­in­itia­tive, um dem entge­gen­zu­wirken, kann aller­dings ganz unter­schied­lich aussehen. 

Verschie­dene Möglich­keiten der Betei­li­gung 

Luis Lambert (18) enga­giert sich in der Initia­tive Vote-16, einem von jungen Menschen ins Leben geru­fenen Bündnis. Gegründet wurde es, um in Bayern das aktive Wahl­recht durch ein Volks­be­gehren auf 16 Jahre abzu­senken. Es wird vom Förder­pro­gramm join poli­tics unter­stützt und hat ein breites Netz­werk an Partner*innen. Dazu zählen lokale Kreis-Jugend­ringe, die AWO, Gewerk­schaften oder auch Jugend­par­la­mente. Bisher wurden 25.000 Unter­schriften gesam­melt. Demnächst soll das Volks­be­gehren einge­reicht werden. 

Aber es ist auch möglich, sich als Jugendliche*r in bestehenden poli­ti­schen Struk­turen einzu­setzen, um etwas zu bewirken. Feline de Groot (17) wurde durch ihr schu­li­sches Enga­ge­ment zu einem nicht-stimm­be­rech­tigten Mitglied in einem Ausschuss des Stadt­rates in Zeven erhoben: Die vertritt dort die Jugend­li­chen der Stadt. In diesem Rahmen war sie in einem Projekt invol­viert, um die Stadt als kinder­freund­liche Kommune auszeichnen zu lassen – mit Erfolg. 

Umfrage bei enga­gierten Jugend­li­chen 

Im Rahmen dieses Beitrages wurden die Eindrücke von 20 ehren­amt­lich enga­gierten Jugend­li­chen in einer Umfrage gesam­melt. Sie sind zum Beispiel bei der frei­wil­ligen Feuer­wehr aktiv, sitzen in Jugend­par­la­menten oder im Stadt­schü­lerrat ihres Wohn­orts. Alle Betei­ligten gaben an, dass ehren­amt­li­ches Enga­ge­ment für Sie eine Möglich­keit der poli­ti­schen Parti­zi­pa­tion sei. Die meisten waren sich zudem einig, dass das Enga­ge­ment eine gute Form der Parti­zi­pa­tion im Vergleich zu anderen Möglich­keiten der Teil­habe sei. 15 der befragten Jugend­li­chen gaben an, das Gefühl zu haben, mit ihrem Enga­ge­ment etwas bewegen zu können. 

Das sagt die Politik 

Janine Wissler, die Bundes­vor­sit­zende der Partei Die Linke, schätzt die Lage so ein, dass unter Jugend­li­chen heut­zu­tage weniger eine Poli­tik­ver­dros­sen­heit bestehe, sondern eher Partei­en­ver­dros­sen­heit. Das poli­ti­sche Inter­esse bei jungen Menschen sei durchaus sehr ausge­prägt. 

Auch der Bundes­tags­ab­ge­ord­nete Armand Zorn (SPD) ist setzt auf die Jugend: Am Ende des Tages wird die Politik auch nur die Themen umsetzen können, für die es in der breiten Gesell­schaft eine Mehr­heit gibt und ich glaube dazu können Jugend­liche einen großen Beitrag leisten.” Poli­tisch zu sein, heiße nicht nur, Mitglied einer Partei zu sein. Auf Demons­tra­tionen zu gehen oder Online-Peti­tion zu unter­schreiben, das sei poli­ti­sches Enga­ge­ment. Auch, sich im Freund*innenkreis und in der Familie für bestimmte Themen einzu­setzen, sei seines Erach­tens eine Form von gesell­schafts­po­li­ti­schem Enga­ge­ment, fügte er hinzu. 

Wege zum eigenen Enga­ge­ment 

Eine Teil­neh­merin, der oben genannten Umfrage schrieb: Ich denke, soziales Enga­ge­ment ist ein sehr gutes Heil­mittel gegen das Gefühl der Macht­lo­sig­keit“. Alle Befragten finden, dass es ideal wäre, wenn mehr Jugend­liche sich enga­gieren würden. Dieser Meinung waren auch die beiden Abge­ord­neten Janine Wißler und Armand Zorn. Es brauche noch viel mehr enga­gierte Jugend­liche, um groß­flä­chig etwas bewirken zu können. 

Ob beim Enga­ge­ment an der Schule, in Jugend­or­ga­ni­sa­tionen, in Parteien oder mit einem ganz eigenen Projekt – Möglich­keiten, aktiv zu werden, gibt es viele. Auf die Frage, wie der Anfang, aktiv zu werden, gelinge, rieten einige Befragten, dass man sich einfach trauen solle, Probleme anzu­gehen und sich für seine Inter­essen einzu­setzen, auch wenn es mal schwierig werden könne. 


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