Was bringt ein Ehren­amtstag wirk­lich?

Datum
20. Juni 2025
Autor*in
Leon Ecker
Thema
#Gesellschaft
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Foto: Jugendpresse Deutschland / Caroline Sauter

Ein Ehrentag fürs Ehrenamt – klingt erst mal nach Würdi­gung und Wert­schät­zung. Doch ein Work­shop bei den Jugend­Po­li­tik­Tagen 2025 zeigt: Junge Enga­gierte fordern mehr als nur Applaus.

Fast 30 Millionen Menschen enga­gieren sich in Deutsch­land frei­willig – und das in rund 650.000 gemein­nüt­zigen Orga­ni­sa­tionen. Als Henning Baden, der Refe­rent des Work­shops Ideen-Werk­statt zum Mitmachtag für Deutsch­land“ diese Zahlen präsen­tiert, ist die Stim­mung im Raum gemischt. Ich möchte in einer Gesell­schaft leben, in der Ehrenamt die Gesell­schaft verbes­sert und nicht die Gesell­schaft stützt“, meint eine Teil­neh­merin. Wir müssen klar sagen, wo es Probleme gibt – ob bei der Finan­zie­rung oder poli­tisch.“ Diesen Heraus­for­de­rungen gehen die Teilnehmer*innen in der Ideen­werk­statt auf den Jugend­Po­li­tik­Tagen nach. Und: Sie sammeln Ideen für den ersten Ehren­amtstag. 

Der Ehrentag wird in ganz Deutsch­land statt­finden

Der Ehrentag – für dich. Für uns. Für alle“ geht auf eine Initia­tive von Bundes­prä­si­dent Frank-Walter Stein­meier zurück. Am 23. Mai 2026, dem 77. Geburtstag des Grund­ge­setzes, soll der Ehrentag zum ersten Mal bundes­weit statt­finden. Das Ziel: Ehrenamt sichtbar machen, vernetzen und feiern. Die Veran­stal­tung findet verteilt in ganz Deutsch­land statt. Auf den JPT über­legt sich die Stif­tung gemeinsam mit den jungen Enga­gierten, wie der Tag aussehen könnte und sammelt erste Themen­vor­schläge. Der Ehrentag ist das, was ihr draus macht“, betont Henning Baden. Es soll kein starres Konzept von oben sein, sondern ein Raum zum Mitge­stalten. 

Die Runde wird persön­lich, als Baden fragt: Was hat euch zum Ehrenamt gebracht?“ 
Ein junger Mann, der 2015 aus Syrien geflohen ist, erzählt, wie ihm durch Ehrenamt bei der Inte­gra­tion geholfen wurde. Heute enga­giert er sich selbst in einem Bündnis, das geflüch­tete Syrer unter­stützt. Andere berichten von ihrem Einsatz bei den Pfad­fin­dern, der Feuer­wehr, dem Jugend­rot­kreuz oder in Parteien. Mit ihrem Enga­ge­ment wollen sie nicht einfach nur zusehen, sondern auch handeln. 

Vier Ideen, ein gemein­sames Ziel 

Wie also kann man junge Menschen moti­vieren, sich am Ehrentag zu betei­ligen? Die Teilnehmer*innen sammeln Ideen und einigen sich auf vier Favo­riten. Diese werden in Grup­pen­ar­beit weiter vertieft. 
Eine Gruppe befasst sich mit dem Ehren­amts­pass. Das ist ein bundes­weiter Nach­weis für Enga­ge­ment, verbunden mit konkreten Vorteilen. Bilal Salim wünscht sich, dass es mit dem Pass Ermä­ßi­gungen in Museen, Kinos, Schwimm­bä­dern gibt – oder sogar Vorteile beim Studi­en­platz. Er soll sichtbar machen, was viele still leisten. 
Die Idee der zweiten Gruppe: Enga­gierte Jugend­liche und junge Erwach­sene sollen Schulen besu­chen, von ihrem Ehrenamt erzählen und Projekte vorstellen. Die Ehren­amt­li­chen sollen dadurch zum Vorbild werden. Manche wissen einfach nicht, wo sie anfangen sollen“, meint Henning Baden. Die Teilnehmer*innen sind sich einig: Lasst uns ihnen zeigen, wie’s geht!“ 
Die dritte Gruppe hat eine konkrete Vorstel­lung davon, wie der Ehren­amtstag gestaltet werden soll: Auf den Markt­plätzen in Deutsch­land sollen Stände von Vereinen und Aktionen den Austausch fördern. Den Teil­neh­mern Johannes und Anton schwebt eine Art Demo­kra­tie­fest vor – sichtbar, offen und nieder­schwellig. Auf einer digi­talen Karte wird anzeigt, was an welchem Ort passiert. 
Ehrenamt darf und soll auch unbe­quem sein, findet die vierte Gruppe im Work­shop. Die Teilnehmer*innen schlagen Gesprächs­for­mate ohne Bühne vor, die Austausch auf Augen­höhe fördern und Raum für Kritik schaffen. Damit die Formate auch in den sozialen Medien sichtbar werden, schlägt die Gruppe einen eigenen Hashtag für den Ehrentag vor. 

Was dieser Work­shop zeigt: Die jungen Enga­gierten wollen mehr als eine Ehren­me­daille. Sie wollen poli­tisch, digital und lokal gestalten. Sie wollen, dass Enga­ge­ment nicht ausbrennt, sondern gestärkt wird. Der Ehren­amtstag soll ein erster Schritt sein.


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