Während in den USA zum Nationalfeiertag die Militärparaden durchs Land ziehen, tun sich viele Deutsche schwer mit Patriotismus. Zu Unrecht, findet Lilli: Denn es gibt nicht nur die eine, problematische und extreme Variante. In ihrem Kommentar erklärt sie, wie ein demokratischer Patriotismus aussehen kann und warum wir uns nicht vor ihm fürchten sollten.
[Anmd. d. Red.: Dieser Text ist eine überarbeitete Fassung eines Artikels, der zuerst in der Schülerzeitung „Sidekick“ erschienen ist.]
Am 4. Juli ist in Amerika die Hölle los. Die Vorgärten sind gespickt mit rot-weiß-blauen Flaggen, die Kinder haben keine Schule, man trifft sich mit Freund*innen, Verwandten und Nachbar*innen zum Barbecue und schon Wochen vorher gibt es in den Geschäften alles in rot-weiß-blauer Ausführung. Und ja, wirklich ALLES. Die Amerikaner lassen es sich besonders an ihrem Nationalfeiertag nicht nehmen, von Würstchen bis Unterhosen alles in einen chemisch-grellen rot-weiß-blauen Farbton zu hüllen. Beendet wird der Tag dann meist mit einem atemberaubenden Feuerwerk und einer pompösen Militärparade.
In den Vereinten Staaten teil des Alltags…
Patriotismus wurde dort schon immer großgeschrieben. „My country, right or wrong“, deklarierte US-Senator Mathew Carpenter in einer Debatte 1871, und während des Kalten Krieges beendetet John F. Kennedy seine Vereidigungsrede mit dem berühmten Zitat: „Ask not what your country can do for you – ask what you can do for your country“. Nach diesen Prinzipien leben viele Amerikaner noch heute. Bei einer Studie des Pew-Research-Centers gaben 52% der Befragten an, die vereinigten Staaten von Amerika seien eines der besten Länder der Welt. 24% erklärten sogar, es sei ohne Frage das beste Land.
„Dem Wort „Patriotismus“ begegnen wir bei uns eher mit einer Art Respekt.
Bei uns in Deutschland sieht die Welt dafür sehr viel gemäßigter aus. Hier wird die deutsche Flagge höchstens zur Fußballzeit rausgehängt und dann meist auch nicht an einen Fahnenmast, sondern ins Fenster oder an den Balkon. An unserem Nationalfeiertag, dem 3. Oktober, haben wir zwar auch frei, doch die wenigsten nutzen ihn, um mit Bekannten auf die deutsche Einheit anzustoßen. Eine Militärparade oder einen Aufmarsch gibt es nicht. Grundsätzlich wird hier auf militärische Prunkfeiern verzichtet, ein Mahnmal aus der deutschen Geschichte. Stattdessen gibt es rund ums Brandenburger Tor zahlreiche Kulturangebote und Ausstellungen zur Wiedervereinigung. Oft versammeln sich dort auch Menschen zu Friedensdemonstrationen.
…in Deutschland ein Mahnmal der Geschichte
Dem Wort „Patriotismus“ begegnen wir hier eher mit einer Art Respekt. Man könnte sogar sagen mit einer Art Furcht. Die deutsche Geschichte hat uns sehr genau gezeigt, was passiert, wenn „Deutschland über alles“ zu einem politischen Motto wird. Der deutsche Patriotismus wurde missbraucht, geschlagen und verrenkt, bis er schließlich unter den Nationalsozialisten über 11 Millionen Menschen das Leben kostete. Das steckt uns auch heute noch tief in den Knochen. Wenn man hier an einen „Patrioten“ denkt, kommen einem eher Springer-Stiefel und eine Reichsflagge in den Sinn. Keiner dieser Attribute bedeutet auch nur im Entferntesten etwas Positives für uns. Dabei ist es eigentlich nicht der Patriotismus, vor dem wir uns fürchten müssten.
Patriotismus ist nichts anderes als die besondere Wertschätzung […] des eigenen Volkes.
Das Wort „Patriotismus“ stammt aus dem Griechischen und leitet sich von den Wörtern „patçr“, was mit „Vater“ übersetzt wird, und „patriôtçs“, was so viel wie „vom gleichen Geschlecht“ oder eben „vom gleichen Vater“ bedeutet ab. Patriotismus ist also nichts anderes als die besondere Wertschätzung der Leistungen, Werte und Traditionen der „Menschen des gleichen Geschlechts“, also des eigenen Volkes. Dies drückt sich meist durch eine starke Identifikation mit dem Heimatland, eine Affinität zur Landessprache und die Bereitschaft, für das Land einzutreten und Opfer zubringen aus. Daran ist nichts verwerflich. Der renommierte Politikwissenschaftler Yascha Mounk ist sogar der Meinung, dass ein gesunder Patriotismus notwendig und wichtig ist, um unsere Demokratie und pluralistische Gesellschaft zu schützen.
Ein schmaler Grat zwischen Patriotismus und Nationalismus
Gefährlich wird Vaterlandsliebe aber, wenn diese nicht mehr mit Werten, Kultur und Tradition, sondern mit einer Überlegenheit und Vorherrschaft über andere Völker und Nationen begründet wird. Diese Verachtung anderer Länder und Kulturen nennt man auch Nationalismus. Mit Patriotismus hat der eigentlich wenig zu tun. Der ehemalige Bundespräsident Johannes Rau erklärte in einer Rede 1999 den Unterschied folgendermaßen: „Ein Patriot ist jemand, der sein Vaterland liebt, ein Nationalist ist jemand, der die Vaterländer der anderen verachtet“. Bei uns in Deutschland werden diese zwei Begriffe leider wenig richtig genutzt beziehungsweise nicht voneinander getrennt.
Die im Mai 2025 als gesichert rechtsextrem eingestufte Alternative für Deutschland, kurz AfD, bezeichnet sich beispielsweise zwar als patriotisch, doch ihr Parteiprogramm ist ein Paradebeispiel für ausgeprägten Nationalismus. Sie will das deutsche Volk und seine Traditionen vor den „Messerstecher-Ausländern“ beschützen und verbreitet deswegen reichlich Hass, Missgunst und Hetze gegen Menschen mit Migrationshintergrund, anderen Religionen oder Sexualitäten. Auf Grund von so einem Missbrauch des Wortes und der Verdrehung seines Sinnes ist es kein Wunder, dass wir Deutsche zunehmend verwirrt sind, was denn Patriotismus nun überhaupt ist.
In ihrem Artikel für die österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaften (2010) unterscheiden die drei Autoren Rebekka Fleiner, Claudia Ritzi und Gary S. Schaal bewusst zwischen zwei theoretisch bestimmten Extremformen des Patriotismus.
Emotionale Vaterlandsliebe
Der emotional geprägte Patriotismus nach Humboldt beruht auf Gefühlen und der Bindung an kulturelle Werte wie Sprache, Tradition und Heimat. Auch geografische oder religiöse Einheit, sowie Freude über sportliche, wissenschaftliche oder gesellschaftliche Erfolge können ihn stärken. Diese Form des Patriotismus zeigt sich also eher im sozialen Leben der Gemeinschaft, nicht im politischen.
Seine entscheidende Schwäche: Emotionaler Patriotismus ist nicht an eine bestimmte Staatsform gebunden. Traditionen, Feste und kulturelle Praktiken bestehen oft unabhängig davon, ob jemand in einer Demokratie oder Autokratie lebt. Deshalb haben emotional geprägte Patrioten meist wenig Interesse an politischer Mitbestimmung, da ihre Verbundenheit zur Gemeinschaft auch unter anderen Herrschaftsformen erhalten bleibt.
Rationale Vaterlandsliebe
Der rationale Patriotismus basiert nicht auf Gefühlen, sondern auf Vernunft, Moral und klaren Wertvorstellungen. Er gilt oft als „stabiler“, weil Emotionen als wechselhaft und beeinflussbar gelten. Rational denkende Patrioten entscheiden bewusst, welche Staatsform ihre Werte widerspiegelt.
Dieser „dezisionistischer“ Patriotismus ist auch inklusiver: Herkunft oder Wohnort spielen keine Rolle, entscheidend sind Überzeugung und Motivation. Besonders in einer globalen, mobilen Gesellschaft ist das ein Vorteil.
Problematisch ist jedoch die Trennung von Kultur und Staatsform. Rationalen Patrioten geht es primär um die politische Ordnung, nicht um regionale Traditionen. Daher verteidigen sie zwar die Demokratie, aber zeigen wenig Bereitschaft, ein geografisches Gebiet militärisch zu schützen.
Für rationale Patrioten ist politische Partizipation ein Muss, da ihr Patriotismus direkt an das politische Leben gebunden ist. Demokratie zum Beispiel kann nur bestehen, wenn die Bürger sich aktiv daran beteiligen.
Allerdings wirkt diese Form des Patriotismus oft trocken, da sie politische Bildung, Reflexion und intensive Auseinandersetzung mit den eigenen Werten voraussetzt. Für viele erscheint daher der emotionalere, gemeinschaftliche Patriotismus attraktiver.
Sternberger suchte nach einem idealen Patriotismus, der unsere Demokratie schützen und zu ihrer Erhaltung und Verbesserung beitragen würde.
Diese beiden Extremformen des Patriotismus sind also bei weitem nicht fehlerlos. Im Gegenteil, sie strotzen tatsächlich sogar davon. Das ist auch dem Politikwissenschaftler Dolf Sternberger aufgefallen. Er stellte sich die Frage, wie man für die trockenen Gesetze einer Staatsform und deren darin festgehaltenen Werte eine feurige Verbundenheit, Liebe und Wertschätzung in der Bevölkerung hervorrufen könnte. Tatsächlich gelang es ihm in den 70er Jahren, eine Zwischenform der beiden oben ausgeführten Patriotismus-Extreme konkret zu formulieren: den Verfassungspatriotismus.
Was genau ist Verfassungspatriotismus?
Sternberger suchte nach einem idealen Patriotismus, der unsere Demokratie schützen und zu ihrer Erhaltung und Verbesserung beitragen würde. Dieser Patriotismus sollte zwar auf kognitiv verankerten Werten gestützt sein, um Freiheit, Frieden, Gleichheit und Gerechtigkeit unserer Demokratie zu garantieren, aber dennoch emotional zum Ausdruck kommen, um die Bürger dafür zu begeistern, und ihn so in der Gesellschaft langfristig zu verankern. Sternberger wollte zwar, dass diese Patrioten aus einem Gefühl, Ethos oder Gewissen heraus handelten, dieses Gefühl, sollte aber keineswegs aus einer Liebe zur Tradition und Kultur stammen. Stattdessen sollten die Bürger aus einer Verpflichtung und persönlichem Verantwortungsgefühl gegenüber unseren demokratischen Grundwerten handeln. Die Schnittstelle für diese Ideologie war für ihn unser Grundgesetz. Von dort sollen die Bürger ihre Werte, Moralvorstellungen und ihr Wissen über die Demokratie entnehmen. Anstatt sich also mit Tradition und Kultur, wie beim emotionalen Patriotismus, oder mit steifen politischen Systemen, wie beim kognitiven Patriotismus verbunden zu fühlen, sollten die Bürger ihren Stolz eher auf die Zusammenfassung unser aller Werte und den Grundbaustein für unsere friedliche Demokratie, nämlich unsere Verfassung stützen.
Ein Patriotismus von Dauer
Damit diese Form des Patriotismus langfristig bestehen bleibt, müssen die Bürger die Freiheit ihre Demokratie zu schätzen wissen und sie mit politischem Engagement unterstützen. Durch ihre Partizipation am politischen Geschehen entsteht ein Gefühl der Gemeinschaft. So wird, auf Grund von wissentlicher Verbundenheit und Loyalität untereinander, aus einem trockenen Gesetzestext eine „lebende Verfassung“, an der jeder mitwirken kann. Die Bürger wissen also, dass die aktuelle Verfassung kein in die Jahre gekommenes Dokument ist, das sich auf veraltete Werte und Geschehnisse stützt, sondern stattdessen das Produkt aktueller Verfahrenspraxis und bürgerlicher Mitbestimmung ist.
Die Bürger sollten ihre Demokratie lieben und deswegen […] ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie leidet, und sie aktiv verteidigen.
Hier möchte ich gerne noch einmal auf das Zitat von Mathew Carpenter vom Anfang zurückkommen. „My country, right or wrong“, deklarierte dieser wie schon am Anfang ausgeführt in einer hitzigen Debatte mit Carl Schurz im US-Senat 1871. Diese Phrase wird auch noch heute oft besonders von amerikanischen Politikern benutzt, um in ihren Anhängern vermeintlich patriotische Gefühle hervorzurufen. Doch eigentlich ist die Geschichte hier noch nicht ganz vorbei: Nach der Rede von Mathew Carpenter wollte Carl Schurz diesen Ausdruck blinder Vaterlandsliebe nicht auf sich sitzen lassen. Er ergänzte den Satz um eine entscheidende Maxime. „My country, right or wrong, if right, to be kept right, and if wrong, to be set right.“
Kontinuierliche Korrektur als Kernmerkmal
Dieses aktive und immer fortlaufende Verbessern sah auch Dolf Sternberger als essenzielles Attribut des Verfassungspatriotismus. Die Bürger sollten ihre Demokratie lieben und deswegen besonders dann ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie leidet, und sie aktiv verteidigen. Durch die „lebende Verfassung“ sollen sich die Bürger ihrer demokratischen Werte und Rechte bewusst sein und erkennen, dass sie die Mittel zum Handeln haben. Somit sollten sie auch Gesetze oder Verfahren, die diese Demokratie bedrohen oder ihren Werten widersprechen, bewusst erkennen und ablehnen. Eben aus einer Liebe zur Demokratie heraus. Diese Erkenntnis ist ihm besonders wichtig, da der ständige Verbesserungswille zum Erhalt der Demokratie beiträgt.
Insgesamt versteht Sternberger unter Verfassungspatriotinnen und ‑patrioten also weder euphorische Lederhosenträger noch Bürgerinnen und Bürger, die verstaubte Gesetzestexte auswendig können. Vielmehr begreift er Verfassungspatriotismus als eine Art innere Haltung und Ethos: In stabilen und funktionierenden Demokratien äußert sie sich als moralisches Unbehagen angesichts fehlender politischer Beteiligung, während sie in Krisenzeiten – also bei einer geschwächten oder noch nicht gefestigten Demokratie – dazu führt, aktiv gegen antidemokratische Bestrebungen einzutreten und unsere Demokratie zu verteidigen. Auch auf militärischer Ebene.
Wir sollten aktive Bedrohungen oder auch nur ihre Tendenzen nicht nur erkennen, sondern uns auch aktiv dagegen wehren.
Besonders für uns im heutigen Deutschland ist der Verfassungspatriotismus nach Dolf Sternberg ein guter Weg, um unser historisch bedingtes Unbehagen hinter uns zu lassen, und uns mit dem Patriotismus wieder neu anzufreunden. Die Angst, noch einmal die grausamen Zeiten der Nationalsozialisten zu erleben, lässt uns vergessen, wie essentiell eine gemeinsame Werte-Verbundenheit der Bürger durch patriotische Gefühle für unsere Demokratie doch ist.
Der gemeinsame Werte-Bezug stärkt das gesellschaftliche Zugehörigkeitsgefühl und vereint Menschen mit unterschiedlicher Herkunft, Religion und Kultur unter einer politischen Ausrichtung. Nämlich der demokratischen. Patriotismus lässt die Mitglieder einer Gemeinschaft solidarisch Handeln und motiviert zum politischen Engagement. Genau dieses macht die Bürger sensibel und wachsam gegenüber antidemokratischen Tendenzen.
Da der Verfassungspatriotismus durch das Grundgesetz einen klaren Rahmen vorgibt, an dem wir uns orientieren können, haben wir wenig Möglichkeit, in nationalistische Richtungen abzurutschen, die mit unseren Grundwerten, wie Menschenwürde, Freiheit und Gleichheit für alle, gar nicht übereinstimmen. Diese klare Abgrenzung gibt uns Sicherheit.
Inklusivität als positiver Nebeneffekt?
Da der Verfassungspatriotismus nicht auf einer gemeinsamen Kultur oder Tradition begründet ist, können sich auch alle deutsche Bürger*innen dieser Gemeinschaft zugehörig fühlen. Es gibt keine sprachliche oder geografische Barriere, wenn die Werte immer die gleichen bleiben. Gerade in der heutigen deutschen Einwanderungsgesellschaft bildet das die Grundlage für eine Demokratie mit Freiheit und Gleichheit für wirklich alle.
Das wichtigste Attribut, das den Verfassungspatriotismus besonders für uns Deutsche so bedeutsam macht, ist die reflektierte Selbstkritik. Die nationalsozialistische Herrschaft hat uns deutlich gezeigt, welche Folgen eine unkritische, blinde Vaterlandsliebe haben kann. Der von den Nationalsozialisten propagierte Patriotismus verlangte bedingungslose Loyalität gegenüber der Regierung, Führungspositionen und seinen Ideologien und verbot Kritik ausdrücklich. Viele Menschen passten sich daran an oder unterstützten das Regime, weil sie ihre Haltung als „vaterländische Pflicht“ verstanden und staatliches Handeln nicht hinterfragten beziehungsweise es gar nicht durften. Ein selbstkritischer, demokratischer Verfassungspatriotismus hingegen, wie ihn Dolf Sternberger beschreibt, fordert Bürgerinnen und Bürger dazu auf, politische Entwicklungen kritisch zu prüfen und staatliches Handeln nicht aus Loyalität, sondern aus Verantwortung für die demokratischen Werte unseres Grundgesetzes heraus zu bewerten. Wir sollten aktive Bedrohungen oder auch nur ihre Tendenzen nicht nur erkennen, sondern uns auch aktiv dagegen wehren.
Was das für unsere Zukunft heißt…
Insgesamt sollten wir Deutschen unsere Furcht vor dem Patriotismus ablegen. Zwar ist es ratsam, im Angesicht der Schatten unserer Vergangenheit immer ein wachsames Auge auf die Vaterlandsliebe zu haben und sie klar vom Nationalismus zu trennen, aber wir müssen auch nicht beim bloßen Erwähnen des Wortes mit den Knien schlottern. Patriotisch sein ist nämlich so viel mehr als eben nur der Stolz aufs Vaterland.
Patriotisch sein heißt die Freiheit und Gerechtigkeit unseres Landes zu schätzen, aber auch zu erkennen, wenn es das eben nicht ist. Patriotisch sein heißt, dass uns diese Erkenntnis nicht trotzig und verbittert stimmt, sondern uns zum Handeln aufruft, weil wir wissen, dass in unserem Rechtssystem Platz für Verbesserung ist. Weil wir wissen, dass unsere Verfassung mit uns weiterwächst und durch genau diesen ständigen Wandel erst ihre volle Kraft entfaltet. Patriotisch sein, bedeutet, unser Land für alle Menschen zu einem besseren Ort machen zu wollen. Auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren, ist patriotisch. Inklusion und Gleichheit zu fordern, ist patriotisch. Für seine eigenen Rechte und die der anderen, die es vielleicht nicht können, einzustehen, ist patriotisch. Patriotismus heißt nach einem Land zu streben, in dem alle in Frieden, Freiheit und Gleichheit miteinander leben können. Und Patriotismus heißt auch Solidarität gegenüber denen, die es gerade nicht tun. Wenn wir also Bürger*innen einer Demokratie sein wollen, müssen wir auch Patriot*innen sein. Denn die Seele der Demokratie ist die Vereinigung von Solidarität und gemeinschaftlichem Zusammenhalt und der Patriotismus ist das, was dieser Seele Flügel verleiht. Wir sollten uns diese demokratische Nächstenliebe also nicht von rechts-nationalistischen Bewegungen wegnehmen lassen. Nein, wir müssen es sogar unbedingt verhindern. Denn wenn die Liebe zum Nächsten erloschen ist, dann ist die Kerze der Demokratie hinunter-gebrannt. Und wer zündet sie dann wieder an?
Der Artikel ist im Rahmen der offenen Redaktion entstanden. Bei Fragen, Anregungen, Kritik und wenn ihr selbst mitmachen mögt, schreibt uns eine Mail an redaktion@jugendpresse.de
